Meldeformel am Notruf - Realtalk

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      F. Köhler wrote:

      stadtbub wrote:

      Wir sollten uns in Deutschland endlich mal den technischen Möglichkeiten offenherzig zeigen
      Dem stimme ich zu und dennoch sollte jede technische Neuerung durchaus einer äußerst kritischen Diskussion unterzogen werden. Nicht jede Entwicklung ist positiv.

      stadtbub wrote:

      Eine Leitstelle ist mittlerweile ein Gatekeeper und mehr als nur ein Call-Center.
      Da mache ich andere Erfahrungen. Standardisierte Notrufabfrage und unerfahrene RettSan als Calltaker sind keine Entwicklungen, die der Qualität der Notrufabfrage gut tun, sondern nur zur Vertuschung und Verschleppung andernorts gemachter Probleme beiträgt.Hier "verkommt" die ILS immer mehr zum Notrufannahme- und Alarmierungszentrum.

      stadtbub wrote:

      Hachja.. das alte Ortskenntnis-Argument....kenn ich von Feuerwehren zur Genüge,
      Und es ist nicht von der Hand zu weisen, denn...

      stadtbub wrote:

      Eine Handyortung (oder AML-Datenabfrage) klappt auch auf dem Land, auch wenn dort die Positionsdaten um hundert Meter verschoben sein können
      Wenn 100 Meter mal reichen und die technischen Möglichkeiten der Leitstelle gegeben sind. Meines Wissens ist eine Handyortung in unserem Bereich der Polizei vorbehalten.
      Oweeh.... die AML Daten werden (UND MÜSSEN) bei jedem Anruf übertragen werden. Dies wurde ja durch die EU - Kommission so festgelegt. EU - Recht schlägt immer nationales Recht. Wir bekommen bei JEDEM Notruf, über ein Handy, den Standort des Anrufers angezeigt (auch ohne Sim-Karte !). Entweder über Wlan (in welches sich Tatsache jedes Smartphone unbemerkt durch Besitzers etc... einklinkt) oder das normale Netz. - Es wird sogar angezeigt, welche Qualität die Position besitzt (LTE, 3G, Wlan etc...)
      Die Technologie dahinter, ist simpel und kann von jedem Einsatzleitsystem abgegriffen werden, die Schnittstellen sind vorhanden und können genutzt werden. Selbst wenn es 300 Meter sind, ist dies nicht sonderlich relevant, denn 300 Meter ist besser als überhaupt nichts.

      Ich gebe dir insofern recht, das es ein Unding ist das unerfahrene Rettungssanitäter oder Feuerwehrbeamte einer FW OHNE Rettungsdienst in einer Leitstelle sitzen (95 % der Arbeit einer ILSt betrifft den RD / KT, die Feuerwehr ist wirklich nur "Beiwerk"). Eine standardisierte Notrufabfrage hingegen ist ein sehr gutes Mittel eine qualitativ hochwertige Dienstleistung anzubieten (vgl. dazu Niederlande oder Dänemark !). Es kann UND DARF nicht sein, das Dispo A anders abfragt als Dispo B, dies ist definitiv suboptimal und führt dazu, das eine Leitstelle mehr als Bimmelbude angesehen wird und nicht als professionelle Schnittstelle im Gesundheitssystem. Auch kann daran überhaupt erst die Qulität "gemessen" werden..... ein Wort, welches für z.B. viele Feuerwehreinsatzzentralen noch immer ein Fremdwort ist !

      Das Bürger teilweise "dumme Kühe" sind ist leider nicht von der Hand zu weisen, jedoch gibt es ein starkes Stadt-Land-Gefälle. Der Städter per se ist um einiges hilfloser als die Landbevölkerung. Dies macht sich grade auf den ILSt bemerkbar die beide Bereiche bedienen. Hier kann man ein Lied von dem "mündigen" Bürger singen....

      Auch mit der "Ortskenntnis" der Kameraden ist es so eine Sache, denn wenn der Ort zwar im Bereich des A-Dorfes liegt aber die Gemarkung im Bereich des B-Dorfes, wird das schnell zum Politikum, wenn die FW A-Dorf alarmiert wurde aber eigentlich B-Dorf zuständig ist.... selbst erlebt, da hört die Kameradschaft der Feuerwehrler nämlich schnell auf ("MEIN Feuer und DEIN Feuer !") und du hast einen Anruf vom Wehrführer ;)

      Wir sollten natürlich Neuerungen hinterfragen aber bitte doch nicht solche Neuerungen, welchen in anderen Ländern seit Jahren funktionieren und einen Benefit für den Patienten und die Situation haben. dies ist eine typisch deutsche Angewohnheit und zieht sich durch viele Bereiche. Ich rede hier nicht von hochtrabenden Techniken sondern z.B. von Diensthandy für KTW (so simpel es klingt, in unserem Bereich haben fast alle KTW keine Handys und die Besatzungen telefonieren mit Privathandys *g*)
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      stadtbub wrote:

      die AML Daten werden (UND MÜSSEN) bei jedem Anruf übertragen werden. Dies wurde ja durch die EU - Kommission so festgelegt. EU - Recht schlägt immer nationales Recht. Wir bekommen bei JEDEM Notruf, über ein Handy, den Standort des Anrufers angezeigt (auch ohne Sim-Karte !). Entweder über Wlan (in welches sich Tatsache jedes Smartphone unbemerkt durch Besitzers etc... einklinkt) oder das normale Netz.
      Sofern es denn A) ein Smartphone ist und B) die Positionsbestimmung seitens des Smartphones funktioniert. Und, wie oben schon beschrieben, habe ich zum einen als Anrufer festgestellt, dass es das nicht immer tut und auch dienstlich erst vor einem halben Jahr mit eingeschaltetem Horn Waldwege abfahren dürfen, damit die Verunfallte dem Dispo sagen konnte, ob das Horn lauter oder leiser wird. Problem lag auch in diesem Fall auf Seiten des Smartphones.

      stadtbub wrote:

      Selbst wenn es 300 Meter sind, ist dies nicht sonderlich relevant, denn 300 Meter ist besser als überhaupt nichts.
      Kann im Gelände schon einen Unterschied machen. Und auch in der Stadt, spätestens, wenn die Vertikal-Achse hinzu kommt.
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      stadtbub wrote:

      Wir sollten natürlich Neuerungen hinterfragen aber bitte doch nicht solche Neuerungen, welchen in anderen Ländern seit Jahren funktionieren und einen Benefit für den Patienten und die Situation haben.
      Woran wird dieser Benefit gemessen?

      Ist es eine qualitätvolle Neuerung, wenn mit Einführung dieser der RD eine Fehlfahrtenquote von 40-50% hat?
      Ich habe als Fahrdienst jedenfalls noch keinen Benefit für den Patienten und unsere Versorgung gesehen.

      stadtbub wrote:

      Es kann UND DARF nicht sein, das Dispo A anders abfragt als Dispo B, dies ist definitiv suboptimal
      Stattdessen nutzen beide einen nutzlosen Fragenkatalog, desen Lieblingsergebnis "unklar" und "RTW schicken" ist.

      Solange standardisierte Notrufabragen auf eine möglichst einfache statistische Erfassung und nicht auf die Erhebung notwendiger Informationen und deren Aufbereitung für den Fahrdienst ausgelegt sind, taugt dieses System wenig.
      Abgesehen davon muss es ja auch noch dem Disponenten die absolute Rechtssicherheit gewähren und wird deswegen grundsätzlich mind. einen RTW vorschlagen.

      Edit: Bitte beim Zitieren aus Gründen der Lesbarkeit auf das Notwendigste beschränken!
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      Auch interessant: FAQ
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      F. Köhler wrote:

      Woran wird dieser Benefit gemessen?

      Ist es eine qualitätvolle Neuerung, wenn mit Einführung dieser der RD eine Fehlfahrtenquote von 40-50% hat?
      Ich habe als Fahrdienst jedenfalls noch keinen Benefit für den Patienten und unsere Versorgung gesehen.
      Der Benefit wird u.a. daran gemessen, ob das Meldebild auch den tatsächlich vor Ort vorgefundenen Situs entspricht und dem Patient die richtige Hilfe zukam, was sich natürlich auch im Outcome des Patienten bemerkbar macht.
      Natürlich wäre hier ein RMC System bundesweit zu wünschen (siehe Hessen) aber irgendwas ist ja immer, ne ?

      Der "nutzlose" Fragenkatalog ist in anderen Ländern halt Standard und dort auch wissenschaftlich validiert..... der deutsche Rettungsdienstler ist da leider auch Lernresistent und teils nicht gewillt ausgetretene Pfade zu verlassen - ja eine gewisse Blindheit darf unterstellt werden. Die Problematik besteht darin, die statische Erfassung und die "notwendigen" Informationen zu definieren. Jeder definiert die notwendigen Informationen anders..... 10 Rettungsdienstler interpretieren die notwendigen Informationen anders. Das funktioniert nicht Basisdemokratisch per Arbeitskreis. Der Fahrdienst benötigt genau welche Infos ?

      Selbstverständlich muss kein ELS dem Dispo immer einen RTW vorschlagen ! Das System ist nur so gut, wie die Daten die es beinhaltet UND die Disponenten die es bedienen. Wenn ich mir grade unsere älteren Semester ansehe auf der ILS, stelle ich immer mehr fest das grade diese mit dem ELs maßlos überfordert sind. Die Zeiten von Word sind vorbei ! Moderne ELS haben dermaßen viele Funktionen und Programmroutinen, die MUSS man als Disponent beherrschen. Man muss die Technik beherrschen, nicht umgekehrt ! Alleine die Schulung auf "unser Cobra 4" dauert einen Monat !

      Das die Fehlfahrtenquote so hoch ist, liegt nun mal in der Natur der Sache. Man kann nur die Informationen eingeben die der Anrufer preisgibt ! Wenn der/die ÄLRD bzw. das Innenministerium festgelegt hat, das z.B. bei dem Stichwort "Kein Abfrageergebnis möglich" ein RTW mit Sonderrechten ausrückt, dann ist das so ! Diese Art der AAO gibt es seit Jahren bei den Feuerwehren, dort wird allerdings nicht hinterfragt warum zur unklaren Rauchentwicklung ein Löschzug ausrückt.....

      Ob man jetzt anglo-amerikanische Systeme alá ProQA oder AMPDS hier in Deutschland implementieren muss sei dahingestellt (obwohl die Österreicher sehr gute Erfahrungen mit AMPDS machen) aber eine strukturierte Abfrage ist absolut sinnvoll und hat natürlich auch den Zweck einer gewissen Rechtssicherheit. Das diese nie 100 % beträgt dürfte aber jedem RD´ler klar sein.
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      stadtbub wrote:

      Der Fahrdienst benötigt genau welche Infos ?
      Ich hätte gern die richtige Adresse des Patienten. Weitere, für mich, wichtige Infos sind: ist die Einsatzstelle sicher für mich (hauptsächlich sind hier anwesende Personen gemeint) und SoSi ja/nein, bzw. wer kommt noch. Für diejenigen, die nen getrennten Kinderkoffer haben, wäre sicherlich noch hilfreich zu wissen, ob es sich um ein Kind handelt, also die andere Tasche benötigt wird. Und da wären wir wieder - primär - bei "Notruf (Feuerwehr/Rettungsdienst), wo befindet sich der Notfallort?"

      Was der Dispo meint, was der Patient hat, interessiert mich ehrlich gesagt kaum, da es zu oft zu falsch ist, jedenfalls im nicht-unfallchirurgischen Bereich.
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      Das sind Standartinformationen.... die Adresse ist immer wieder eine Geschichte. Man soll nicht meinen, wie viele Menschen ihre Adresse nicht kennen. Bzw Adressen angeben, an welcher sie mal wohnten.... Eibsatzstelle safe ist auch bei der Abfrage teilweise schwierig herauszubekommen. Teils aus Scham, teils aus Furcht werden Details wie "mein Freund hat mir auf die Waffel gehauen" umgebaut zu "ich bin gestürzt".... von Abfragen durch Polizeidiensstellen fang ich nicht erst an, diese sind an ungenauigkeit nicht zu überbieten. Sonderrechte ergibt sich aus dem Stichwort.....eigentlich. Wer zum STEMI normal fährt, der sollte überlegen ob er in dem Job richtig ist ! Kinderabfrage sollte Standart sein. Ob der RTW Pusemukkel oder Hinterdenbergen zusätzlich kommt, naja..... Was ändert es an der Arbeit draussen ? Beim NEF ebenso..... macht man am Patient weniger wenn man weiss das der Doc 5 Minuten früher da ist ? FW und Pol sind dagegen nette Zusatzinfos. Kommt auf die Betriebsabläufe an. In RLP Bsp. Steht auf den DME immer Wer mitkommt bzw mitalarmiert ist. Ebenso auf dem RescueTrack. Auch das FW Stichwort bei Kombi-Einsätzen. Sind sogar 2 eigene Stichworte Kombi-feuerwehr und Kombi-polizei. Es gibt einfach ILS die gehören zu gemacht aufgrund von schlechtigkeit....
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      stadtbub wrote:

      Ob der RTW Pusemukkel oder Hinterdenbergen zusätzlich kommt, naja..... Was ändert es an der Arbeit draussen ? Beim NEF ebenso..... macht man am Patient weniger wenn man weiss das der Doc 5 Minuten früher da ist ?
      Öhm, natürlich sind die Informationen über weitere Rettungsmittel, egal welcher Art, wichtig und beeinflussen auch die Arbeit draußen.
      Auch zu wissen, welches Fahrzeug kommt und von wo das anfährt (Rückschluss auf die Eintreffzeit), halte ich durchaus für einsatzrelevant.

      Fürchterlich finde ich auch bei Nachforderungen. Wenn man ein NEF will und sich dann nach 20 min wundert, wo es bleibt, weil die Leitstelle nicht Bescheid gesagt hat, dass das NEF von weiß der Herr wo kommt. Man rechnet mit 5 min und verbleibt deshalb erstmal in der Wohnung, nach 15 min macht man sich auf den Weg zum Auto und der NA trifft mitten im Treppenhaus ein.

      stadtbub wrote:

      Steht auf den DME immer Wer mitkommt bzw mitalarmiert ist.
      U.U. nur wenn es eigene Fahrzeuge sind und die parallel alarmiert sind.

      stadtbub wrote:

      Sonderrechte ergibt sich aus dem Stichwort.....eigentlich.
      Je nach Stichwortkatalog.

      Ich möchte die Möglichkeiten der Leitstelle nicht klein reden und bin definitiv offen für neue Abläufe und Technologien. Fakt ist aber, dass vieles hier noch Utopie ist und an der Realität wahrscheinlich vieler Leitstellen vorbeigeht.

      Letztlich sollte es m.E.n. nicht der Leitstelle zustehen, zu beurteilen, welche Infos der Fahrdienst haben will. Alle modernen Kommunikationsschemata und Arbeitsweisen des RD zielen auf Informationsfluss, Teilen von Informationen ab. Da wird grundsätzlich null gefragt, ob jeder im Team alle Infos braucht und verarbeiten will.
      Da sollte sich auch die Leitstelle einklinken.
      Letztlich übernimmt die Leitstelle eine Ersteinschätzung der Lage und er sollte auch über den Standardfragenkatalog hinaus Verdachtsmomente mitteilen.


      stadtbub wrote:

      Der Benefit wird u.a. daran gemessen, ob das Meldebild auch den tatsächlich vor Ort vorgefundenen Situs entspricht und dem Patient die richtige Hilfe zukam, was sich natürlich auch im Outcome des Patienten bemerkbar macht.

      TheOssi wrote:

      Was der Dispo meint, was der Patient hat, interessiert mich ehrlich gesagt kaum, da es zu oft zu falsch ist, jedenfalls im nicht-unfallchirurgischen Bereich.
      Da ist die Krux an der Sache.

      stadtbub wrote:

      Der "nutzlose" Fragenkatalog ist in anderen Ländern halt Standard und dort auch wissenschaftlich validiert..
      Wenn etwas wissenschaftlich validiert ist und auch stetig überprüft und ggf. evaluiert wird, dann ist doch das auch kein Problem. Das Gefühl habe ich bei den mir bekannten Systemen aber nicht.

      stadtbub wrote:

      der deutsche Rettungsdienstler ist da leider auch Lernresistent und teils nicht gewillt ausgetretene Pfade zu verlassen - ja eine gewisse Blindheit darf unterstellt werden.
      Lernresistenz und konstruktive Skepsis sind zwei paar Stiefel.

      stadtbub wrote:

      Wenn der/die ÄLRD bzw. das Innenministerium festgelegt hat, das z.B. bei dem Stichwort "Kein Abfrageergebnis möglich" ein RTW mit Sonderrechten ausrückt, dann ist das so !
      Um solche Einsätze geht es nicht. Sondern um solche, wo bereits aus der Abfrage hervorgeht, dass die Symptome seit (sehr) langer Zeit bestehen, der Anrufer nur eindeutig nicht notfallrelevante Symptome angibt oder ähnliches und dann der RTW rollt.
      Das auf den Anrufer zu schieben, das funktioniert in Zeiten von standardisierter Notrufabfrage auch nur bedingt, nachdem ja der gesamte Abfragedialog ans Fahrzeug übermittelt wird.

      Leider kann man nicht verleugnen, dass der gewollte Weg des Rettungswesens in Deutschland hin zu einer Überrettung und Absicherung gegen rechtliche Verantwortung geht. Das ist ein gesellschaftliches Problem, keine Frage. Aber das verbietet uns nicht, das für unseren Bereich kritisch zu hinterfragen.
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      Ich bin zB der Meinung, dass es Standard sein sollte, nach der Alarmierung der Rettungsmittel das Geburtsdatum, oder zumindest das Alter des Patienten zu erfahren und in die Einsatzmaske zu klatschen.
      Ich war bei genügend einsätzen, in denen das Kind eine Person 50+ war, leider auch bei genügend Einsätzen, bei denen sich in der Wohnung erst raus stellt, dass der Patient Säugling / Kleinkind ist. Ich behaupte mal bei 3 von 4 Einsätzen habe ich kein Alter in der Einsatzmaske, stellenweise fehlt sogar die COVID Abfrage. Von den Einsätzen, wo kein Patientenname oder Anrufer steht, will ich gar nicht erst anfangen.

      Zu den Standardstichworten:
      In BaWü übernehmen mehr und mehr Bereiche die Stichworte der SQRBW, ist ja auch gut so, der Auswertung und Gleichheit wegen, nur ergeben sich daraus eben die absurdesten Einsätze. Als Beispiel der Bürger, dessen Asthmaspray alle ist und der anruft, weil er Neues braucht. Da hier das Zauberwort Asthma / Copd fällt, MUSS der Disponent da den NAW schicken, sonst kriegt er aufs Dach, selbes tolles Spiel bei der Hypoglykämie.
      Und dass diese digitale Abfrageschemata nicht immer das gelbe vom Ei sind, sieht man am obigen Beispiel der ILS Ludwigsburg: gefühlt 50% der Einsätze sind „unklare Lage“. Meines Erachtens hat so ein Stichwort gar nix im Stichwortkatalog einer ILS verloren.
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      @FaRa, na ja bei uns in Bayern gibt es dafür "Sonstiges Ereignis/Zustand". Großartig, wenn dann auch nix im Freitext steht außer "bei Hinterhuber".
      Aber interessant, bei uns fährst du als RTW alleine oft mal auf exazerbierte COPD. Da kommt kein Druide dazu.

      F. Köhler wrote:

      Sondern um solche, wo bereits aus der Abfrage hervorgeht, dass die Symptome seit (sehr) langer Zeit bestehen, der Anrufer nur eindeutig nicht notfallrelevante Symptome angibt oder ähnliches und dann der RTW rollt.
      Ha, ja des wäre mal schön. Da fährst im Berufsverkehr mit Blau durch die halbe Stadt, um dann beim Patienten festzustellen, dass sie einfach nur nen KTW (wie immer) wollten, weil sich der Patient den DK gezogen hat, ohne irgend eine Form von Verletzung. Das ist schon Abfrage-Premium.

      Aber Stichworte sind allgemein eher sehr grobe Anhaltspunkte, die leider auch zu Fixierungsfehlern einladen. Sind mal auf "Neuro" V.a. Apo gefahren, dann wurde nach unserem Eintreffen daraus "Wohnung öffnen akut" und angemeldet haben wir chirurgisch V.a. Rippenfraktur. :D

      Wobei @F. Köhler, ich weiß nicht, ob es hilfreich ist, wenn die Besatzung bei der Alarmierung mit allen Infos zugeschüttet wird. Da übersieht man dann gerne mal das wesentliche, erkennt Adresse oder Meldebild nicht auf den ersten Blick oder überliest ein "Eigenschutz beachten!"
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      Moin,
      im Zusammenhang mit strukturierter Notrufabfrage möchte ich kurz darauf hinweisen, dass diese bei der 116117 gesetzlich vorgeschrieben ist. Eine ausführliche wissenschaftliche Betrachtung, wie es dazu gekommen ist, wurde bereits 2019 bei Notfall + Rettungsmedizin veröffentlicht, der Artikel ist hier Open Access abrufbar:link.springer.com/article/10.1007/s10049-019-0627-8



      Endpunkt der Abfrage darf halt nicht nur sein RTW oder RTW+NEF, auch niederschwelligere Hilfen müssen disponiert werden können. Sei es N-KTW für bestimmte Diagnosen, Gemeindenotfallsanitäter RTW ohne Sonderrechte, ärztl. Bereitschaftsdienst, Weiterleitung an Telemedizinische Beratung, Information über nächste Notaufnahme/Apotheke/Arztpraxis.

      Der Mensch muss zudem Herr über die Technik bleiben und sich (in begründeten Ausnahmen) über die Ausgabe des Programms hinwegsetzen können (mit Dokumentation der Gründe).

      Das Spannungsfeld, in dem der Disponent steht ist ja im Wesentlichen in möglichst kurzer Zeit ein möglichst genaues Ergebnis zu erzielen. Wenn man annimmt, dass sich Gesprächsdauer und Dispositionsqualität einigermaßen proportional verhalten, dann kann es nicht sein, dass Gesprächsdauern regelmäßig bei 30 Sekunden liegen. (Bei uns im Rettungsdienstbereich steht die Gesprächsdauer auf dem Fax, manchmal frage ich mich da ehrlich gesagt, wie die in der Zeit überhaupt die Adresse abfragen können.)
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      Hachja......

      Wenn es doch so einfach wäre. Wir leben in Deutschland, einem Land das den Inbegriff der "rechtlichen Absicherung" darstellt ;)

      Solange es keine genaue rechtliche Definition gibt, was der Einsatzbearbeiter eigentlich darf und (viel wichtiger!) was nicht, solange fährt der RTW zum Katheterwechsel oder der Dialyse, bevor der Pat. zu spät kommt (was nach Auffassung der Nephrologen übrigens einem Sakrileg gleichkommt) . Solange es hier mehrere "Leitstellen" für verschiedene medizinische Gewerke gibt, solange werden diese Probleme bestehen bleiben und damit werden wir alle Leben müssen ;)

      Kleines Praxisbeispiel von gestern Abend....
      Anruf 112 Pat (37 Jahre) klagt über Heiserkeit und Halsweh. Nach der SNA und dem Stichwort (Ja in RLP ergeben auch Stichworte weitere Maßnahmen wie z.B. Schwindel oder Kopfschmerzen = ÄBD!) - grippaler Infekt. Weiterleitung an die 116117.... nettes Mädel übernahm den Pat. Dokumentation und fertig.....denkste......
      20 Minuten später, Anruf 116117 - bestellen einen KTW für Telefoneinweisung in "irgendein KH".... gleicher Pat. Äh Hausbesuch ? Ja nee, der Arzt denkt es wäre Covid und kommt nicht raus. Tja, Ende vom Lied war, ein RTW zur Einweisung mit Tragestuhl geschickt ca. 19:30.... RTW ins 32 KM entfernte Krankenhaus das dem vermeintlichen Covidfall nahm. Um 21:30 , Anruf des KH.... Pat kann heimgefahren werden...... ihr Lieben Leute, das passiert pro Dienst locker 5-6 mal.... mir ist das mittlerweile egal :) - der Arzt ist mir Weisungsbefugt, also schick ich was.... und wenn es der grösste Rotz ist. Das RD - ÄBD - RD Ping Pong ist mittlerweile "Volkssport".....

      Wie sagte ein Richter in Ostdeutschland zu einer Disponentin, die keinen RTW entsandte :"Immer lieber einen Rettungswagen zu viel schicken !"

      In diesem Sinne
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      Da Lob ich mir unser ÄND System, Leitstelle disponiert die rum, bestellst du einen kommt der auch. Im Nachbarkreis bestellst du den, der ruft 15 Minuten später wieder an und macht ne Telefoneinweisung, drehst also gleich wieder um. Bestes Leben, wenn man den Schuh immer weiter abdrücken kann.
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      Alex GX wrote:

      Wobei @F. Köhler, ich weiß nicht, ob es hilfreich ist, wenn die Besatzung bei der Alarmierung mit allen Infos zugeschüttet wird. Da übersieht man dann gerne mal das wesentliche, erkennt Adresse oder Meldebild nicht auf den ersten Blick oder überliest ein "Eigenschutz beachten!"
      Nichts für ungut, aber das Übersehen von wichtigen Informationen lässt sich ziemlich sicher leicht umgehen durch Schriftformatierung (Farbe, unterstrichen,etc.).

      Ich ärgere mich schon Ewigkeiten über diese sogenannten "Meldebilder" oder "Verdachtsdiagnosen" bei der Alarmierung. Viel interessanter sind doch die Symptome die 1. entweder den Anruf bei der 112 bewirkten, oder 2. der Disponent zusätzlich erfragt hat und als relevant definiert.
      In den Niederlanden bspw. wird während der Anfahrt der Ambulanz der Fragenkatalog am Telefon vervollständigt und neue relevante Informationen auf das Display im Fahrzeug geschickt. (Das betrifft Anrufe ab einer gewissen Priorität)

      Alex GX wrote:

      (Meldebilder)...die leider (...) zu Fixierungsfehlern einladen.
      Und die können für unsere Patienten sehr gefährlich sein!