Freiberufler im Rettungsdienst

    • Freiberufler im Rettungsdienst

      Ein Phänomen, das sich mit dem zunehmenden Personalmangel bei uns in der Gegend (und von den betreffenden Kollegen weiß ich, auch anderswo) auftut, sind freiberufliche Rettungsdienstler.
      Sie verhandeln mit der jeweiligen Organisation Verträge über die Stundenlöhne und Arbeitszeiten und besetzen dann wie die Festangestellten ihre Schichten.
      Vergleichbar mit der Situation bei den Notärzten.
      Mittlerweile haben sich da sogar Firmen gebildet, die solches Personal vermitteln und ganze Fahrzeuge für eine bestimmte Zeit übernehmen.

      Gibt es hier im Forum Erfahrungen? Was haltet ihr davon?
      Bei uns im Betrieb ist die Diskussion auch mit diesen Kollegen sehr intensiv und kontrovers.

      Der Betrieb ist natürlich flexibel, kann relativ schnell auf veränderten Personalbedarf reagieren und muss sich dabei weder um Aus- und Weiterbildung, noch um Dienstkleidung kümmern.
      Anscheinend nicht einmal um die Einhaltung von Ruhezeiten, die Kollegen arbeiten teilweise Doppelschichten (14-17 Stunden).
      Quasi so ein Zeitarbeitsfirmaprinzip.

      Im Alltag machen sich aber auch Nachteile bemerkbar: Die Kollegen haben null Ortskenntnis, tun sich zum Teil schwer mit den internen Abläufen, weil sie an zig Stellen arbeiten.
      Außerdem fügen sie sich nicht in die Wachaufgaben wie Wagenpflege, Wache putzen, ordentliche Dokumentation und ähnliches ein. Sie begründen das damit, dass so ein Abhängigkeitsverhältnis zur Organisation entstehen würde und das in der Selbstständigkeit nicht gehe.

      Für die Reinigung der Dienstkleidung sind sie selbstverantwortlich und tragen dementsprächend auch was sie wollen, die Einhaltung der Fortbildungsstunden ist nicht kontrolliert.

      Wohl (da fehlt mir die Detailkenntnis) sind sie sogar teurer als ein festangestellter Mitarbeiter und bekommen mehr als hier in der Gegend ein freiberiflicher Notarzt.
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    • F. Köhler wrote:

      Anscheinend nicht einmal um die Einhaltung von Ruhezeiten, die Kollegen arbeiten teilweise Doppelschichten (14-17 Stunden).
      Selbstständige Tätigkeit (müsste dann entsprechend angemeldet sein), kennt kein Arbeitszeitgesetz ("Selbst" und "ständig"). Nur in Sachen Fahrzeug führen sind halt Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Ist jetzt aber ne allgemeine Aussage und nicht speziell auf den RD bezogen.
    • im Rahmen von längerfristigen Vertretungen (z.B. Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit oder auch NotSan-Fortbildung) ist das sicherlich eine gangbare Lösung, denn für eine befristete Stelle findet man eh kein Personal.

      Ansonsten halte ich davon überhaupt nichts, und vermutlich wird es in den allermeisten Fällen wie bei Ärzten und Pflege sein: Diejenigen, die herumvagabundieren sind meistens die, die aus gutem Grund keine feste Stelle behalten haben.
    • Allein schon wegen der Aufzählung Deiner Nachteile, Felix, ist diese Entwicklung nicht zu begrüßen oder zu unterstützen. Insbesondere, was die Einhaltung der Fortbildung angeht. Ohne Nachweis keine Beschäftigung.

      ffhamburg192 wrote:

      Ansonsten halte ich davon überhaupt nichts, und vermutlich wird es in den allermeisten Fällen wie bei Ärzten und Pflege sein: Diejenigen, die herumvagabundieren sind meistens die, die aus gutem Grund keine feste Stelle behalten haben.
      Diese Aussage ist - wie so oft bei Dir zu finden - aber wieder zu pauschal. Gerade bei Notarztbörsen gibt es mehr positive als negative Erfahrungen. Hier wird detailliert geprüft und dokumentiert, bevor man überhaupt zugelassen wird, um Aufträge entgegenzunehmen.

      Schwarze Schafe gibt es ganz klar überall. Aber alle über einen Kamm zu scheren ist nicht zielführend.
    • ffhamburg192 wrote:

      Ansonsten halte ich davon überhaupt nichts, und vermutlich wird es in den allermeisten Fällen wie bei Ärzten und Pflege sein: Diejenigen, die herumvagabundieren sind meistens die, die aus gutem Grund keine feste Stelle behalten haben.
      Das halte ich für ganz großen Unsinn. Gerade im freiberuflichen Teil der Anästhesisten findet man einen riesen Schatz an hochqualifiziertem Personal, das aber Flexibilität und gute Bezahlung schätzt.
    • Manu Schwarzenberger wrote:

      Diese Aussage ist - wie so oft bei Dir zu finden - aber wieder zu pauschal. Gerade bei Notarztbörsen gibt es mehr positive als negative Erfahrungen. Hier wird detailliert geprüft und dokumentiert, bevor man überhaupt zugelassen wird, um Aufträge entgegenzunehmen.
      Die meisten Ärzte bei der Börse haben auch eine normale reguläre Anstellung und fahren nebenbei Notarzt. Ich kenne auch einige, die ihre Klinikstelle auf 75% reduziert haben, um mehr NA fahren zu können. Dagegen spricht ja überhaupt nichts.

      Welche Ärzte ich meine sind diejenigen, die hauptberuflich und meist unter Missachtung des normalen Menschenverstandes (80h die Woche und mehr) durch die Lande ziehen und überall NEF fahren, ohne eine feste Bindung und ohne Klinikstelle. Noch dazu auch oft ohne abgeschlossene Facharztausbildung. Und da gibt es schon sehr komische Gestalten dabei.
      Wir setzen nur im Ausnahmefall auf die Börse, daher haben wir auch keinen festen Kreis und haben schon öfter schlechte Erfahrungen gemacht. Natürlich viel mehr Gute, aber lästern macht ja mehr Spaß.

      Und natürlich ist die Aussage pauschal, wenn wir immer alles in den Einzelfall aufbröseln braucht man ja nicht diskutieren. Das Optimum im Bereich NEF sind für mich intensivmedizinisch tätige Ärzte aus den Häusern, die den Rettungsdienstbereich versorgen. Eine Börsenbesetzung kann eine gute Ergänzung sein, wenn es Engpässe gibt und ist immer noch besser, bevor man Hausärzte an die Front schickt.

      Firekiller wrote:

      ffhamburg192 wrote:

      Ansonsten halte ich davon überhaupt nichts, und vermutlich wird es in den allermeisten Fällen wie bei Ärzten und Pflege sein: Diejenigen, die herumvagabundieren sind meistens die, die aus gutem Grund keine feste Stelle behalten haben.
      Das halte ich für ganz großen Unsinn. Gerade im freiberuflichen Teil der Anästhesisten findet man einen riesen Schatz an hochqualifiziertem Personal, das aber Flexibilität und gute Bezahlung schätzt.
      Gar keine Frage, nicht alle in der Freiberuflichkeit sind totale Nulpen, ganz im Gegenteil.
      Ich habe da aber durchaus auch einige gefunden, die sich nicht in Teamstrukturen einfügen können, ein großes Problem mit Hierarchie haben und dazu außerordentlich gerne Rosinen picken.
      Die Bezahlung in Freiberuflichkeit ist jetzt nicht so viel großartiger als die als angestellter Facharzt, vor allem wenn man sich vernünftig um seine Altersvorsorge kümmert.
      Klar, freie Dienstwahl und viele Extras sind nett, trotzdem hat es oft einen schlechten Beigeschmack, wenn jemand so ungebunden herumzieht. Eine unbefristete Vollzeit-Stelle mit entsprechender Erfahrungsstufe im Tarifvertrag ist nämlich auch nicht zu verachten, aber eben auch nicht jedem zugänglich.
      Wenn man sich als Angestellter mit 10 Arbeitgebern in 5 Jahren irgendwo bewirbt, dann wird das Nachfragen geben. Mit der Freiberuflichkeit umgeht man das ganz elegant

      In der Anästhesie mag das "ungebundene Arbeiten" vielleicht noch besser gehen, mit Honorarärzten im Bereich der Inneren Notaufnahme haben wir hier wirklich katastrophale Erfahrungen gemacht (Befolgen von SOP oder Arbeitsprozessen, zwischenmenschlicher Umgang, Auftreten gegenüber Patienten und Repräsentation des Krankenhauses etc.)
      Noch schlechter sieht es bei der Pflege aus, da kommen oft Leute die die Nase viel zu weit oben tragen und vor allem durch Arroganz, Faulheit und antisoziales Verhalten auffallen. Wenn diese dann auch noch einen besseren Stundenlohn bekommen ist Unzufriedenheit bei der Belegschaft vorprogrammiert. Das aus dem Eingangspost geschilderte Verhalten mit Verweigern von unbequemen Aufgaben ist da auch oft zu beobachten.

      Ich bin außerdem sehr gespannt, was sich bei der steuerrechtlichen Beurteilung da noch so entwickeln wird. Die rechtlich saubere Arbeitnehmerüberlassung mit Festanstellung bei einer Vermittlung ist nämlich deutlich weniger lukrativ.
    • Um mal zurück zur ursprünglich angesprochenen Berufsgruppe zu kommen:
      Natürlich will ich nicht die fachliche Qualität der Kollegen pauschal in Frage stellen, auch wenn es in der Tat extrem Bedenkliches gibt, meines Erachten.
      Ich sehe nur das System aus genannten Gründen kritisch.

      Offen ist zum Bsp auch angesichts der Kompetenzen des NotSan und der notwendigen Prüfung durch den örtlichen zuständigen Arzt, wie sind die Kompetenzen des NotSan?
      Einer argumentiert, er darf hier im Kreis gar nichts, weil er nicht geprüft ist für diesen Kreis und fordert dadurch NEF an, wo man hier nie eins braucht.
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    • Ich kenne die Situation, Bzw. Habe von den Kollegen bei euch (z.B. Auf dem ITW) gehört und will mal den Punkt „verdient mehr als mancher Notarzt“ ansprechen.
      Wie bereits angesprochen muss der arme Tropf sich um die Altersvorsorge kümmern, hat hohe Abgaben, muss sich selbst versichern (also BG, sonst sieht’s beim Arbeitsunfall kacke aus), Urlaub ist für ihn unbezahlt und Krankheitstage kann er sich wegen fehlendem Krankenheld auch nicht so leisten.
      Unterm Strich verdienen solche Kollegen nur bedingt mehr, als vergleichbare in einer Anstellung mit gutem Tarifvertrag.
      Wenn ich richtige Kohle haben will, geh ich für 3 Monate auf ne Bohrinsel, da verdien ich in dem Zeitrahmen meinen sonstigen Jahreslohn. Alternativ kann ich mit meinem (zukünftigen) Arbeitgeber verhandeln und auch was rausschlagen, dafür habe ich feste Kollegen, Urlaub, kann auch unbesorgt krank werden und Acker mich nicht bis zum Burnout durch.
    • ffhamburg192 wrote:

      Noch dazu auch oft ohne abgeschlossene Facharztausbildung.
      Die ist in Deutschland zum erreichen der Notarztqualifikation nun mal auch nicht notwendig.
      Ob das sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, allerdings hab ich auch schon vom Ophthalmologen bis hin zum Gynäkologen alle Fachrichtungen auf dem kleinen Auto gesehen...


      Back to topic:
      Natürlich können solche Kräfte keine Ortskenntnis vorweisen. Wie auch? Dieses Problem habe ich aber auch bei jedem neuen Kollegen, der sich einarbeiten muss. Daher kann ich das nicht per se als Argument zählen lassen.

      Das man sich am allgemeinen Wachleben nicht beteiligt weil man sich sonst in eine Abhängigkeit stellt sehe ich maximalst kritisch und völlig am Leben vorbei. Da macht man sich ja viele Freunde...
      Zum Thema Dokumentation muss ich sagen, was nun mal zu dokumentieren ist, hat derjenige nun mal dem jeweiligen Standard angepasst zu dokumentieren, ansonsten hat man ja oft auch schnell ein rechtliches Problem.

      Natürlich verdienen diese Kollegen wesentlich mehr als der fest Angestellte Kollege, haben aber wie FaRa schon schön aufzählt entsprechenden Ausgaben zu leisten, dessen Luxus unser AG zur Hälfte ja schon übernimmt.

      Problematisch wird es natürlich mit den NotSan Kritierien und den Freigaben, bzw den Leistungskontrollen dieser. Da sollten natürlich Regelungen gefunden werden, ansonsten ist man in seinem tun wenn man sich nicht aus dem Fenster lehnt und knallhart die BPRs verfolgt, schnell sehr eingeschränkt.

      Alles in allem kann solch ein Gebahren derzeit Fluch und Segen zugleich sein. Ein Überleben solcher Mitarbeiter auf lange Sicht waage ich aber zu bezweifeln...
      Mut ist nicht ein Leben zu leben, sondern eins zu bewahren!

      - Avatar: RTW der Stadt Köln - Fzg Grafik von Leitessen
    • F. Köhler wrote:

      Was haltet ihr davon?
      Vorneweg, grundsätzlich habe ich mit Freelancern kein Problem, solang sie eben gewisse Ansprüche erfüllen. Eine tatsächliche fachliche Ausbildung ist aus meiner Sicht ebenso absolut verpflichtend, wie auch eine im Rettungsdienstbereich gültige Fortbildung. Auch das Einhalten lokaler "Spielregeln" ist für mich ein absolutes muss und darf in keinem Fall zur Diskussion stehen.
      Solange sich die Leute an dieses Sachen halten, solange habe ich damit zunächst kein Problem einen entsprechenden Kollegen an der Seite zu haben.

      F. Köhler wrote:

      Die Kollegen haben null Ortskenntnis, tun sich zum Teil schwer mit den internen Abläufen,
      Das ist für mich kein exklusives Problem, genauso betroffen sind externe Berufsanfänger oder eben auch FSJ'ler und Co. Hier mache ich weniger dem AN einen Vorwurf, wie viel mehr dem AG der einer solchen Sache zumindest oftmals einen reichlich gesättigten Nährboden bietet.
      Wobei das mit der Ortskenntnis ja gar nicht so schlimm ist, wir leben ja im 21. Jahrhundert und RescueTrack und Smartphones sind ja ein guter Standard. *Hust* :whistling:

      F. Köhler wrote:

      Außerdem fügen sie sich nicht in die Wachaufgaben wie Wagenpflege, Wache putzen, ordentliche Dokumentation und ähnliches ein.
      Hier sehe ich neben dem AG auch den Kollegen an der Seite des Freelancers in der Pflicht, denn es kann kaum sein, dass man das so hinnimmt. Neben dem darauf Hinweisen und dem dazu Animieren sehe ich hier auch ganz klar die Pflicht ggf. beim AG Meldung zu machen und den ggf. über den BR in die Pflicht zu nehmen.

      F. Köhler wrote:

      Für die Reinigung der Dienstkleidung sind sie selbstverantwortlich und tragen dementsprächend auch was sie wollen,
      Eigene Klamotten, nunja, ein eher optisches Problem und tlw. auch bei regulären Kräften gegeben. Aber eigene Reinigung? 8|
      Mal ganz davon ab dass ich es extrem fragwürdig bis ekelig finde, hier scheint doch ein erheblicher Verstoß gegen den Standard der Zeit und auch Richtlinien bzw. Vorschriften vorzuliegen. Auch hier sehe ich vor allem auf Seiten des AG ein Problem, denn dieser scheint nicht die entsprechende Bekleidung zu stellen bzw. den AN zum tragen zu verpflichten und er toleriert auch noch ein hygienisch fragwürdiges Vorgehen.
    • Grzobra wrote:

      Auch hier sehe ich vor allem auf Seiten des AG ein Problem, denn dieser scheint nicht die entsprechende Bekleidung zu stellen bzw. den AN zum tragen zu verpflichten und er toleriert auch noch ein hygienisch fragwürdiges Vorgehen.
      Der AG würde schon Bekleidung stellen, jedoch sehen auch hier die Freelancer ein zu großes Abhängigkeitsverhältnis.
      Einem Selbstständigen dürfe die Dienstkleidung nicht gestellt werden.


      Grzobra wrote:

      Wobei das mit der Ortskenntnis ja gar nicht so schlimm ist, wir leben ja im 21. Jahrhundert und RescueTrack und Smartphones sind ja ein guter Standard. *Hust*
      OT: Auch in der Zeit von RescueTrack ist Ortskenntnis m.E.n. mittelfristig unabdingbar.
      Klar fehlt die auch bei neuen Mitarbeitern.
      Aber dank Freelancer (die deutlich längere Einarbeitung haben, mangels regelmäßiger Schichten) kann es eben passieren, dass ein neuer RettSan mit einem Freelancer fährt. Hat hier neulich zu der absurden Situation geführt, dass die Besatzung ihren Tagstandort ewig nicht gefunden hat.

      Ich möchte sie auch nicht pauschal verteufeln und das muss ich auch nicht. Es gibt auch gute und engagierte.
      Trotzdem finde ich es in der momentanen Situation ein brisantes Thema.
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    • F. Köhler wrote:

      Der AG würde schon Bekleidung stellen, jedoch sehen auch hier die Freelancer ein zu großes Abhängigkeitsverhältnis
      Dann muss der AG ggf. Vorgaben zur Arbeitsbekleidung machen, wobei das wie gesagt kein exklusives Problem ist. Ich kenne zahlreiche Rettungsdienste bei denen die AN zusätzliche Bekleidung eigenständig beschaffen und im Dienstbetrieb tragen.

      F. Köhler wrote:

      OT: Auch in der Zeit von RescueTrack ist Ortskenntnis m.E.n. mittelfristig unabdingbar.
      Da bin ich vollkommen bei dir, zumal zur Ortskenntnis auch zählt "seine Kundschaft zu kennen". Beides hat bei der täglichen Arbeit einen hohen Stellenwert und auch Auswirkungen auf eine qualitativ gute Arbeit.

      Tatsächlich rückt die Ortskenntnis aber immer mehr in den Hintergrund, immer mit dem Hinweis auf das Jahrhundert und die Technik. Gerade im Bezug auf immer noch weniger Leitstellen, immer größere Leitstellen und um immer mehr Flexibilität der AN hat die Ortskenntnis heute kaum noch ein Stellenwert.
    • ffhamburg192 wrote:

      Noch schlechter sieht es bei der Pflege aus, da kommen oft Leute die die Nase viel zu weit oben tragen und vor allem durch Arroganz, Faulheit und antisoziales Verhalten auffallen. Wenn diese dann auch noch einen besseren Stundenlohn bekommen ist Unzufriedenheit bei der Belegschaft vorprogrammiert.
      Luftpumpen findet man überall, auch hier im Forum.

      Eine Pflegefachkraft, die freiberuflich oder für einen (seriösen) Personaldienstleister arbeitet muß mehr verdienen wie festangestellte Mitarbeiter in den Betrieben. Der Personaldienstleister will seine Mitarbeiter an sich binden und zahlt deswegen u. a. für deren Flexibilität eine gewissen Aufschlag zum Tariflohn. Wenn ich von der ambulanten Pflege bis hin zur Intensivstation einsetzbar bin, wechselnde Arbeitsstellen, mitunter weitere Anfahrtswege in kauf nehme, weniger planbare Freizeit habe oder auch vor Ort übernachte muß sich das am Monatsende auf dem Lohnzettel widerspiegeln. Der Personaldienstleister für den ich tätig war bietet zudem zahlreiche Zusatzleistungen und beteiligt sich beispielsweise an Kita-Gebühren und bietet einen Fahrdienst für die Kinder an.

      Wenn den Kollegen im Entleihbetrieb nicht gefällt, daß der Leihpfleger mehr verdient steht es ihnen vollkommen frei den Arsch hoch zu kriegen und etwas zur Verbesserung der eigenen Situation zu tun. Mir ist allerdings nie Neid entgegen geschlagen. Obwohl den Kollegen spätestens dann klar war wie unser Verdienst sein musste, wenn wir Stellenangebote abgelehnt haben.

      ____
      Ganz allgemein: Selbstredend hat sich auch ein externer Mitarbeiter, im Rahmen geltender Gesetze, an die Vorgaben im Kundenbetrieb zu halten. Meines Erachtens ist die Weigerung Kleidung des Auftraggebers zu tragen, bei entsprechender Vertragsgestaltung, nicht haltbar, zumal wohl kaum jemand eine hygienische Wäsche sicherstellen kann.
    • Um mal die andere Seite zu beleuchten: Ich arbeite seit 2006 als freiberuflicher RDler, teils im Nebenerwerb, teils hauptberuflich.
      Derzeit bin ich zwar aufgrund eines kaputten Knies in Zwangspause, ansonsten bin ich aber in Süddeutschland und der Schweiz anzutreffen.
      Aufgrund von Familie, Hauptberuf und eigener Firma für MANV Planung fehlt aber zunehmend die Zeit und perspektivisch werde ich wohl ins reine Ehrenamt wechseln.

      Um hier mal ein paar Vorurteile aufzuklären:
      - Verdienst:
      Ein Freelancer muss immer deutlich über dem verdienen was ein regulärer Mitarbeiter verdient, ich glaube das ist allen klar. Aber vielen ist das Ausmaß nicht klar.
      Neben Altersvorsorge musst du deine restlichen Sozialleistungen (Urlaub, Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall, Berufsunfähigkeit, Unfallversicherung) privat tragen, ebenso Haftpflicht, Steuer und assozierte Kosten (Steuerberater, etc.). Dazu kommen noch verdienstfreie Tage (niemand schafft 100% Auslastung zu erreichen), Kosten für Fortbildung, Buchhaltung, Anfahrt (die ist beim Freelancen deutlich höher), ggf. Unterkunft, etc.
      Damit kommst du am Ende auf Summen die sich gewaschen haben. Ich verlange je nach Kunde zwischen 25-40€/h und komme damit effektiv auf einen Netto-Stundenlohn der im Schnitt nur ca. 3€/h höher ist als das was die meisten Vollzeit-Mitarbeiter verdienen - bei vollem unternehmerischen Risiko.

      - Dienstkleidung:
      In der Tat ist es so, dass es von den Finanzämtern als abhängige Beschäftigung gesehen werden kann, wenn der freie Mitarbeiter vom Auftraggeber die Dienstkleidung vorgeschrieben bekommt. Das ist ziemlicher Schwachsinn und irgendwie auch nur im Gesundheitswesen so, aber leider tatsächlich Fakt - Ich hatte hier auch schon Ärger am Hals.Was der Arbeitgeber aber natürlich machen kann ist dem Freelancer die Nutzung seines Dienstkleidungspools zu erlauben. Solange hier kein Zwang ergeht ist das zu mindestens eine mehr oder minder legale Grauzone. Praktisch gesehen habe ich aber tatsächlich Dienstkleidungssets in verschiedensten Farben im Schrank die ich ggf. nutze (dann ist der optische Unterschied auch nicht zu groß).
      Die Dienstkleidung wird zu mindestens in meinem Fall übrigens tatsächlich ganz regulär in einer Wäscherei gewaschen. Da ich nur nebenberuflich tätig bin ist das auch vom finanziellen Aufwand her machbar.

      - "Wachenpflege, Dokumentation und ähnliches".
      Es ist natürlich vollkommener Blödsinn wenn ein Freelancer sich nicht an den Wachaufgaben beteiligt. Solange es vertragsgemäß vereinbart ist hat er auch diese Aufgaben zu erledigen (es gibt schließlich auch freiberufliche Raumpflegerinnen).

      - Ortskenntnis:
      Das ist in der Tat ein Faktor. Ein guter Freelancer wird sich zu mindestens grob orientieren welche Kliniken, etc. im Umkreis anzutreffen sind und was diese anbieten. Aber natürlich kann er die Ortskenntnis eines eingefleischten Hauptamtlichen nicht ersetzen. In meinem Fall lautet meine Konsequenz daraus, dass ich mich schlichtweg weigere zu fahren (Ausnahme sind nur Auslandsrückholer) und außerdem einen orts- und szenekundigen Fahrer voraussetze- und dies dem Auftraggeber auch vorab mitteile. Daran müssen sich beide Seiten gewöhnen - Das Stammpersonal daran, dass man vielleicht nicht nach jedem Einsatz wechselt, die Auftraggeber daran, dass man nicht spontan den FSJler auf den RTW setzen kann.
      Ich habe tatsächlich schon Schichten abgebrochen weil diese Vertragsklausel offensichtlich nicht eingehalten wurde.

      - Maßnahmen:
      When in rome, do as the romans: Die ÄLRD Freigabe ist ja rechtlich so oder so ein fragwürdiges Konstrukt, als "noch" RettAss betrifft sie mich per se wenig. Aber anstatt hier eine Minimallösung zu fahren und sich ständig den NA zu holen muss das Ziel des Freelancers eigentlich sein möglichst alle Maßnahmen aller seiner Kundenbereiche zu können. In meiner Konsequenz heißt das übrigens das ich mittlerweile einigen, eigentlich sehr lieb gewonnen, eidgenössischen Kunden absage, da ich die Skill-Exposition nicht mehr erhalten kann um auf dem geforderten Level zu arbeiten.

      Um es abzukürzen (ich muss einen Zug erwischen):
      Viele der Probleme sind hausgemacht, sei es weil man schlechte Vertragswerke mit den Freelancern hat, sei es weil man erwartet mit dem Freelancern kriegt man jemanden der "genauso" ist wie ein hauptamtlicher Mitarbeiter. Und natürlich gibt es auch viele schwarze Schafe unter den Freelancern die im wesentlichen Freelancer sind weil sie für den normalen Wachbetrieb nicht mehr taugen.