Zukunftsdiskussion Rettungsdienst

    • @Rotkreuz Olpe Danke für Deinen Beitrag; ich fand ihn gut.


      Rotkreuz Olpe wrote:

      Nehmen wir mal an, es wären 50 Patienten. Im Load-and-Go-Schema bräuchten wir also 50 RTW/KTW/RTH
      Das ist aber auch ein häufiger Denkfehler in Deutschland. Nicht jeder Patient benötigt seinen eigenen RTW oder KTW. Leicht verletzte Personen können auch gesammelt transportiert werden. Wichtig ist, dass die roten und gelben Patienten (schnell) ihr Rettungsmittel bekommen. Daher ist das sichten so wichtig. Auf meiner letzten MANV-Übung vor einigen Wochen haben wir die grünen Patienten gesammelt. Die wenigsten davon benötigten einen KTW zum Transport und konnten nach der Nachsichtung und Versorgung durch MTW der SEG oder FF zur (ambulanten) Behandlung in ein Krankenhaus transportiert werden. Das spart schon mal einiges an RTW und KTW.

      Rotkreuz Olpe wrote:

      Erstversorgungskrankenhaus

      Pendelverkehr ins nächste (so definierte) Krankenhaus oder wie muss ich das Konzept verstehen, was ich zugegebenermaßen nicht kenne?
      Wenn gewünscht ist, kann ich das gerne mal näher erklären.


      Rotkreuz Olpe wrote:

      Rufbereitschaften
      Wo bei man hier schon sagen muss, dass die meisten Rufbereitschaften im Rettungsdienst sich auf Konzepte zur Personalausfallreserve oder auf die Besetzung von Soderfahrzeugen (ITW) sich beziehen. Das darf man bei der Diskussion nicht vergessen.

      Ich glaube auch, dass wir auf das Ehrenamt mit FF oder SEG/KatS nicht verzichten sollten. Aber ein Rettungsdienstträger sollte auch eigene Spitzen- und Sonderbedarfvorhaltungen berücksichtigen. Das bedeutet aber nicht, dass der Rettungsdienst Rufbereitschaften für Dutzende RTW, KTW und Gerätewagen vorhalten muss. Das wäre dann in der Tat illusorisch, wie das ein Kollege hier vor einigen Tagen sagte. Vielleicht ist es gut wenn wir das hier das nun noch einmal hervorheben, denn ich habe das Gefühl, dass das hier in der Diskussion hier untergegangen ist.

      Rotkreuz Olpe wrote:

      Die Hilfsfrist nach oben drehen, um die Probleme zu vertuschen: Wie bitte?
      Ich glaube, dass das auch ein Missverständnis hier ist. Niemand will die Versorgung der akuten Notfälle durch eine Verlängerung gefährden. Die Idee war, dass man die nicht-akuten Notfälle aus dem System der Hilfsfrist der akuten Notfälle heraus nimmt (und ggf. mittels differenzierter Fristen versorgt, was im Ausland schon ganz häufig gut funktioniert). Denn das ist u.a. auch ein Grund warum die Vorhaltungen von RTW an den Wachen immer weiter nach oben geschraubt werden muss (Risikobedarfsbemessung; Bediensicherheit).

      Was die Bahn betrifft, bin voll bei Dir. Geht mir auch auf´n Sack. :S

      Rotkreuz Olpe wrote:

      Wenn der Beispiel-NKTW in seinem 30-Minuten-Radius unterwegs ist und immer von A nach Z zuckelt, um die "R0" aufzusammeln, schafft der doch viel weniger Fahrten, als wenn das auf die RTW verteilt würde.
      Das ist natürlich erst einmal eine Frage der Auslastung. Es könnte aber die RTW in die Lage versetzen für die akuten Notfälle zur Verfügung zu stehen. Ein Grund für immer mehr RTW ist ja nicht nur die Auslastung (die Anzahl der Einsätze), sondern auch die Bediensicherheit der Hilfsfrist innerhalb eines Rettungswacheneinsatzbereiches (Risikobedarfsbemessung). So kann an einer Rettungswache trotzdem ein zweiter RTW stehen, weil eben nicht die (Gesamt-) Auslastung, sondern weil Duplizitätsfälle zu einer häufigen Überschreitung einer Hilfsfrist geführt haben.
    • Rotkreuz Olpe wrote:

      Hätte man keine Liegemietwagen, hätte man viel mehr KTW
      Muss ich dagegen halten: Hier gibt es im ganzen Kreis exakt einen LMW, der wird vom DRK-Fahrdienst betrieben und nahezu ausschliesslich privat abgerechnet. Vor KTW wimmelt es deswegen aber keineswegs, und deren Dienstzeiten erinnern auch eher an die Sprechzeiten des Finanzamtes. Fraglich also, ob diese Aussage so stimmen kann..
      Avatar: RK Arnstadt 14/82-1 (Blanko: Chr2)
      Leitstelle Ilmkreis/Thüringen ID 27662

      Nein, Thüringen ist kein Entwicklungsland! Als ob sich hier was entwickeln würde...
    • RFSW wrote:

      Es ist nur wenig objektiv nur die Fakten zu erwähnen, die genau in das Bild passt was man sich selbst geschaffen hat.
      Ich habe das erwähnt was unter anderem von der Gewerkschaft und auch einigen Kollegen als großer Wurf gefeiert wird (z.B. die Verdoppelung des Nachtdienstzuschlages beim DRK). Tatsächlich sind diese Verhandlungsergebnisse auch ein Erfolg, der Erfolg steht aber eben in keinem Verhältnis zu dem was andere schon lange und auch nicht in Relation zum Personalmangel.

      RFSW wrote:

      Man sagt seinem Mitarbeiter einfach, ob er Rufbereitschaft für den Tag oder für die Nacht hat.
      Wenn es das bei dir gab freut mich das, hier und in den angrenzenden Rettungsdienstbereichen gibt es dies Rufbereitschaft oftmals für 24 Stunden. Eine Rufbereitschaft für nur den Tag bzw. nur die Nacht wäre tatsächlich eine geringerer Einschnitt in den Lebensalltag des Angestellten, wobei hier auch gilt: Wird mittags jemand gebraucht für den Nachtdienst kann es nicht sein, dass die Rufbereitschaft des Tagdienst gezogen wird.

      RFSW wrote:

      Das liegt ja an euch Arbeitnehmern dort und dem Grad der eigenen Organisation. JETZT ist die Gelegenheit seine Arbeitsbedingungen neu zu verhandeln.
      Da ist man ja gerade dran, leider haben aber die AG im Moment trotz Personalmangel noch immer die Oberhand bei den Ergebnissen. Die entsprechende neue gesetzliche Regelung macht es außerdem nicht bzw. nur schwer Möglich eine neue Gewerkschaft für den Rettungsdienst zu etablieren bzw. gar zu Gründen.

      RFSW wrote:

      Auf der Wache stehe ich genau so in der Schwebe wie in der Rufbereitschaft.
      Auf der Wache bin ich aber gezielt auf der Arbeit und weiß man ich Anfange und wann ich in etwas Feierabend habe. Auch bekomme ich die Zeit auf der Arbeit oftmals höher / besser bewertet, wie eine Rufbereitschaft.

      RFSW wrote:

      Im übrigen kann man sich ja auch aussuchen ob man seine Stunden aus der Rufbereitschaft abbummeln möchte und etwas davon ausgezahlt haben möchte, oder ob man diese komplett ausgezahlt haben möchte.
      Auch hier wieder, wenn das bei euch möglich war mein Glückwunsch dazu. Leider ist das von dir angesprochene aber kein Standard, eher wird die Rufbereitschaft als "normaler Dienst" in den Dienstplan eingebaut und ebenso bewertet.
    • Rotkreuz Olpe wrote:

      Liegemietwagen

      Hat mit den Dingern das Dilemma nicht angefangen? Hätte man keine Liegemietwagen, hätte man viel mehr KTW, welche auch viel flächiger greifbar wären und zwischen den "billigen Taxifahrten" auch die "echten Krankentransporte" fahren könnten. So fehlen die KTW oder haben entsprechend lange Anfahrtswege, was dann dazu führt, dass öfter mal ein RTW den KT fahren muss. Im Übrigen unterstütze ich die Meinung, dass jeder Patient, der umgelagert werden muss, einen KTW bekommen sollte. Das ist nunmal die Routinearbeit und nicht der halb überwachungspflichtige Patient mit Zusatzmaterial. Oder wie stellt ihr euch den "perfekten" KTW-Patienten vor? RTW fahren per Definition auch nicht nur Herzinfarkte, Polytraumen und Reanimationen.
      Da sehe ich eine Denkfehler. Auch im Bereich der KTP muss natürlich eine Bedarfsplanung erfolgen, so dass ausreichend KTW vorgehalten werden. Völlig unnötigerweise aber haufenweise KTW vorzuhalten, nur damit Patienten, die in einen Liegendmietwagen gehören, mit ihnen transportiert werden, ist doch unsinnig. In dem Zusammenhang auch der Schwenk zum Thema MANV: Da braucht man auch nicht 100 KTW aus der Regelvorhaltung. Die Patienten, die nicht rot sind und von einer SEG vor Ort betreut wurden kommen in einen KTWB oder 4KTW. Dafür gibt es die Dinger nämlich.
      Leitfunkstelle Gießen - lstsim.de/leitstellen/305/
      Wiki-Seite - wiki.lstsim.de/LFSt_Gie%C3%9Fen
    • Grzobra wrote:

      Da ist man ja gerade dran, leider haben aber die AG im Moment trotz Personalmangel noch immer die Oberhand bei den Ergebnissen. Die entsprechende neue gesetzliche Regelung macht es außerdem nicht bzw. nur schwer Möglich eine neue Gewerkschaft für den Rettungsdienst zu etablieren bzw. gar zu Gründen.
      Bitte was? Dann machst du aber was falsch. In keinster Weise hat der AG hier noch die Oberhand.
      Wenn das Angebot nicht passt, dann wechselt man. Das war noch nie so einfach und so lukrativ wie derzeit. Dreh dich im Kreis, dann bekommst du in 360° einen Arbeitsplatz mit Kusshand. Der Rest ist Verhandlungsgeschick!
      Mut ist nicht ein Leben zu leben, sondern eins zu bewahren!

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    • Verhandlungsgeschick bei Arbeitgebern mit Tarifvertrag? Glaubst du wirklich du kann bei einem AG mit Tarifvertrag für dich mehr Gehalt bzw. andere Zuschläge raushandeln?

      Bei AG mit Tarifvertrag wirst du vll. bezüglich Urlaub und Weiter-/Fortbildung etwas raushandeln können, vll. auch wegen einer Einmalzahlung, aber das war es dann doch im Großen und Ganzen.

      Ansonsten auch für dich, schaue dir bitte die Forderungen von Verdi und die der AG an und betrachte dir die Ergebnisse. Interessant sind vor allem die Forderungen der AG, da sich hier ja in Zeiten der Personalnot eigentlich der Wille zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erkennen lassen sollte.
    • Grzobra wrote:

      Bei AG mit Tarifvertrag wirst du vll. bezüglich Urlaub und Weiter-/Fortbildung etwas raushandeln können, vll. auch wegen einer Einmalzahlung, aber das war es dann doch im Großen und Ganzen.
      Und selbst wenn das alles ist, ist das nix? Also für mich schon ne ganze Menge.
    • Das mag vllt. genug sein, wenn man örtlich ungebunden und nicht auf einen sicheren Arbeitsplatz angewiesen ist. Wenn einem Beständigkeit nicht mehr wert ist, als ein paar Tage Urlaub/Fortbildung. Ansonsten ist das recht wenig.

      Wobei der ein oder andere Tarifvertrag schon andere Möglichkeiten lässt. Vorzeitiges Hochsetzen der Erfahrungsstufe, seperat verhandelte Zulagen, usw. Man muss sich da halt etwas einlesen und hoffen, dass der AG es wirklich nötig hat und das auch einsieht. Letzteres ist die größere Hürde.
    • @Manu Schwarzenberger:
      Mit dem raushandeln beim Urlaub meine ich nicht mehr Urlaubstage (<- werden im TV geregelt), sondern lediglich die Möglichkeit beim neuen AG den Urlaub wie vorgeplant zu bekommen. Und wegen der Einmalzahlung, die ist schneller wieder schall und rauch wie gedacht. Von einer Einmalzahlung und oder entsprechenden Regelungen für Aus- und Weiterbildung habe ich persönlich nur wenig, ausreichend Freizeit; dauerhafte Vorteile; ein geregelter Dienstplan und "angenehme" Dienstzeiten sind da viel wichtiger. Gerade in den eben genannten Punkten sehe ich den AG beim Werben um neue Mitarbeiter und beim halten von Bestandsmitarbeitern in der Pflicht, zumal solchen Sachen nicht im TV geregelt sind
    • Grzobra wrote:

      Verhandlungsgeschick bei Arbeitgebern mit Tarifvertrag? Glaubst du wirklich du kann bei einem AG mit Tarifvertrag für dich mehr Gehalt bzw. andere Zuschläge raushandeln?
      EIn Arbeitsverhältnis ist immer verhandelbar.
      Bei der derzeitigen Situation sollte das weniger das Problem sein, für sich noch was rausschlagen zu können.


      Grzobra wrote:

      Bei AG mit Tarifvertrag wirst du vll. bezüglich Urlaub und Weiter-/Fortbildung etwas raushandeln können, vll. auch wegen einer Einmalzahlung, aber das war es dann doch im Großen und Ganzen.
      Aus eigener Erfahrung kann ich da anderes berichten.

      Allerdings wenn der AG nicht mit mir verhandeln will, dann hat er meine Arbeitskraft auch nicht verdient.
      Mut ist nicht ein Leben zu leben, sondern eins zu bewahren!

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