Sind Feuerwehren für Reanimationen zuständig?

    • Sind Feuerwehren für Reanimationen zuständig?

      Eine Neuregelung in Bayern besagt, dass Feuerwehren auch für Wiederbelebungen alarmiert werden können. Das Bayerische Innenministerium hat es Feuerwehren freigestellt, ob sie sich für diese Aufgabe zur Verfügung stellt. Entsprechend können die Wehren dies der ILS anzeigen und mitteilen, ob Ja oder Nein.

      Die ILS Augsburg möchte das "Nein" einer Gemeinde in ihrem Dienstgebiet nicht akzeptieren und argumentiert damit, dass der Einsatzsachbearbeiter wegen unterlassener Hilfeleistung in Regress genommen werden kann, wenn er die Feuerwehr nicht bei einem Zeitvorteil gegenüber des nächsten Rettungsmittel des Rettungsdienstes alarmiert.

      Nun ist eine Diskussion entbrannt, die die im Titel genannte Frage stellt: Sind Feuerwehren für Reanimationen zuständig?

      Es gibt Stimmen, die sagen, ohne geeignetes Gerät und entsprechende Ausbildung sind Feuerwehren nicht zuständig. Ein Führungsdienstbeamter in meinem Freundeskreis argumentierte gar damit, dass ihm "die Freiwilligen weglaufen würden, wenn sie mit dieser Aufgabe konfrontiert würden". Ältere Feuerwehrleute würden "sich mit dieser Aufgabe eventuell unsicher oder überfordert fühlen " und deshalb frühzeitig gehen. Junge Leute "fingen schon an zu erbrechen, wenn sie bei einem VU zu viel Blut sehen würden". "Man wolle sowas nicht im Dienst sehen".

      Ich selbst vertrete die Auffassung, dass, wenn es Ausnahmefälle sind (also die Alarmierung nicht Planungsdefizite in der ÖRV ausgleichen soll), die Feuerwehr durchaus zu dieser Aufgabe herangezogen werden kann. Schließlich ist "Retten" (und damit mMn. auch die Wiederbelebung) das erste Wort im Leitsatz der Feuerwehr.

      Das Ausbildungs- oder Ausrüstungsargument lasse ich nicht gelten. Schließlich lernt jeder, der eine Fahrerlaubnis besitzt, die Basis-HLW - und braucht dazu genau gar keine Ausrüstung.

      Nun hätte ich gerne mal Eure Meinungen dazu gehört. Aber bitte sachlich und ohne gegenseitiges Bashing.

      Artikel zum Thema:
      augsburger-allgemeine.de/augsb…ustaendig-id51837811.html
    • Das lernt man im EH, eben.

      Wenn ich eine Rea irgendwo hab schicke ich als Dispo den nächstgelegenen RTW und das nächste NEF, und wenn eine FF erklärt "Hey wir fahren hin und reanimieren bis der RTW da ist" ist das eine super Sache, aber ich kann niemanden dazu zwingen, weil es erstens Freiwillige sind und zweitens ist es keine Hauptaufgabe der Feuerwehr, Leute zu reanimieren.

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    • Aber passt das zum Motto der Feuerwehren "Retten-Löschen-Bergen-Schützen"?
      Wenn also eine Kuh im Graben feststeckt, wird sich um die wenigen Plätze in den Fahrzeugen geprügelt, aber wenn ein Mensch stirbt, bleibt man vor dem Fernseher sitzen?
      Etwas überspitzt formuliert, ich weiß.

      Wenn man aber die Linie fährt, dass Feuerwehren dafür alarmiert werden, muss das ja irgendwer grundsätzlich bestimmt haben. Innenministerium?
      Dann soll derjenige bittschön aber auch entsprechende Ausrüstung stellen (sprich finanzieren): AED, Beatmungsbeutel, Absaugpumpe.
      Und regelmäßige Auffrischungen der Ausbildung ebenfalls, und zwar auch dort nicht auf Kosten der Gemeinden.

      Ich glaube, wenn man die Feuerwehren aktiv an diesem Prozeß beteiligt und vernünftig ausrüstet, statt ihnen etwas von oben überzustülpen, dann wird es auch genug geben die mitmachen.

      "There is every possibility that things are going to change completely."

      Captain W.H. Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941
      ---
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    • ffhamburg192 schrieb:

      solche Feuerwehren sollte man einfach schließen, spart der Gemeinde ne Menge Geld.
      Der einsatztaktische Wert entspricht sowieso einem Eimer Wasser.
      Qulitativ hochwertige, differenzierte und fundierte Aussage mit enormem Mehrwert für die Diskussion.
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      Auch interessant: FAQ
    • An sich finde ich es eine gute Idee und interessanten Ansatz, zumindest bei einer Reanimation die örtlich zuständige Feuerwehr zu alarmieren. Das Retten gehört neben dem Löschen, Bergen und Schützen eben auch zu den Aufgaben der Feuerwehr.

      Mir stellt sich hier dann aber auch die Frage, inwiefern man diese Alarmierungen umsetzen will. Wird dann jeweils die gesamte Einheit alarmiert, in kleineren Dörfern evtl. sogar über Sirene? Oder erhalten einige Kameraden eine spezielle Melderschleife, soweit sie einen Melder besitzen? Auch interessant ist, bei welchem Zeitvorteil die Feuerwehr alarmiert wird und ob dieser auf der Leitstelle auch erkannt wird. Und was machen gerade in Bayern, wo es noch viele gibt, die Wehren, die nur einen TSA besitzen? Entsprechende Ausrüstung auf dem Anhänger verladen oder im Gerätehaus lagern und bei einem Alarm in einen Privat-PKW umladen?


      Manu Schwarzenberger schrieb:

      Es gibt Stimmen, die sagen, ohne geeignetes Gerät und entsprechende Ausbildung sind Feuerwehren nicht zuständig. Ein Führungsdienstbeamter in meinem Freundeskreis argumentierte gar damit, dass ihm "die Freiwilligen weglaufen würden, wenn sie mit dieser Aufgabe konfrontiert würden". Ältere Feuerwehrleute würden "sich mit dieser Aufgabe eventuell unsicher oder überfordert fühlen " und deshalb frühzeitig gehen. Junge Leute "fingen schon an zu erbrechen, wenn sie bei einem VU zu viel Blut sehen würden". "Man wolle sowas nicht im Dienst sehen".

      Diese Argumentation kann ich nicht ganz nachvollziehen. Gegen die Tatsache, das sich ältere Kameraden "mit dieser Aufgabe eventuell unsicher oder überfordert fühlen", kann man den Ablauf einer Reanimation regelmäßig trainieren. Auch hier kommt dann wieder eine Frage auf: Müssen sich die Feuerwehren, die sich für diese Aufgabe melden, regelmäßig "rezertifizieren" oder zumindest einen Nachweis über die regelmäßige Auffrischung der Reanimation erbringen? Zumindest in meinen Augen ist dies eine Sache, die tatsächlich Sinn machen würde, allerdings für alle Feuerwehren. Wie oft erlebt man es, dass der EH-Kurs für den Truppmann gemacht wird, danach aber nicht wieder aufgefrischt. Dann ist klar, dass sich gerade ältere Kameraden, die vielleicht schon 25 Jahre aktiv dabei sind, unsicher fühlen, weil man einfach 25 Jahre lang keine wirklichen Berührungspunkte mit diesem Thema mehr hatte.

      Wenn junge Kameraden bereits "[anfangen] zu erbrechen, wenn sie bei einem VU zu viel Blut sehen", sollte man sich Gedanken darum machen, ob man diesen dann im entsprechenden Einsatz nicht vielleicht einfach zu viel zugemutet hat. Hier sollte in meinen Augen gerade das Thema "Team-Resource-Management" einen Einzug auch in die Ausbildung von Feuerwehrführungskräften halten, um langfristig eine möglichst hohe Qualität in der Sicherstellung der öffentlichen Sicherheit zu halten. Damit möchte ich nicht aussagen, dass dies bisher nicht gegeben ist. Ich persönlich habe es aber beispielsweise schon einige Male im Einsatz und Übungsdienst bei der Feuerwehr erlebt, dass mir als Rettungssanitäter und Auszubildendem zum Notfallsanitäter medizinische Fachkenntnis von einigen Führungskräften abgesprochen wurde (Zitat bei Kopfplatzwunde eines Jugendfeuerwehrkameraden: "Geh mal zur Seite, du hast da keine Ahnung von."). Es gibt allerdings auch das genaue Gegenteil, dass man bei solchen Sachen nochmal herangezogen wird. Das wird jetzt aber zu sehr Off-Topic.
      Gerade hier könnte man allerdings, wenn man sich die Aufgaben der Feuerwehr ansieht, ansetzen, um die Qualität der Arbeit noch zu erhöhen.
      Im gegeben Beispiel mit den erbrechenden Kameraden beim VU könnte dies zum Beispiel so aussehen, dass man sie nicht unmittelbar zur technischen Rettung/Erstversorgung heranzieht, sondern sich nachher gemeinsam das Unfallfahrzeug noch einmal anschaut und eventuell noch vor Ort eine Nachbesprechung durchführt.

      Auch mit der Argumentation im verlinkten Artikel, dass man den Patienten ja kennen könnte, ist es ebenfalls schwer nachvollziehbar. Da gehe ich mit dem Kommentar auf der Seite der Augsburger Allgemeinen d'accord, dass man dann auch rein theoretisch zu keinem Feuer und zu keiner technischen Hilfeleistung im eigenen Ort mehr ausrücken sollte, da man hier den Betroffenen ja ebenfalls kennen könnte.

      t-geronimo schrieb:

      Wenn man aber die Linie fährt, dass Feuerwehren dafür alarmiert werden, muss das ja irgendwer grundsätzlich bestimmt haben. Innenministerium?

      Dann soll derjenige bittschön aber auch entsprechende Ausrüstung stellen (sprich finanzieren): AED, Beatmungsbeutel, Absaugpumpe.
      Und regelmäßige Auffrischungen der Ausbildung ebenfalls, und zwar auch dort nicht auf Kosten der Gemeinden.
      Naja, es wurde den Feuerwehren ja freigestellt, sich freiwillig dafür zu melden, es handelt sich ja nicht um eine Pflicht. Ich stimme dir aber in dem Punkt zu, dass eine entsprechende Mindestausrüstung und eben auch "spezielle" Ausbildung (auch der Umgang mit Beatmungsbeutel, AED und Absaugpumpe sollte gelernt sein) dann vom zuständigen Innenministerium zumindest gefördert werden sollte.
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    • Das mit den Hamburger FF'en ist nicht nur angeblich so. In HH gibt es diverse FF'en mit der Zusatzaufgabe First Responder, diese werden unter anderem zu solchen Einsätzen alarmiert um die Zeit bis zum Eintreffen von RTW und in diesem Fall NEF zu überbrücken.
      Der Wahlspruch der Freiwilligen Feuerwehren ist nun mal "Retten, Löschen, Bergen, Schützen" (keine Garantie für die richtige Reihenfolge) unter Retten fallen haltl auch Reanimationen... Wenn hierdurch ein Zeitvorteil entsteht, warum nicht? Time is Brain and Muscle. Das Leben ist nun mal das höchste Gut das es zu erhalten gilt, da kann meiner Meinung nach auch mal ne FF zu ner Reanimation alarmiert werden, minimum in der Grundausbildung haben alle mal nen EH-Kurs gemacht.

      Edit: Das jüngere Kollegen da vielleicht Probleme mit haben und die alten Hasen sich unsicher fühlen ist verständlich, auch in einer FF sollten regelmäßige Auffrischungen der EH-Kenntnisse durchgeführt werden.


      Die Ironie war mir entgangen und ich hatte einen wichtigen Aspekt vergessen... Sorry
      Diplomatie ist mein zweiter Vorname :) :P

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Sonni784 ()

    • Das "Angeblich" war eine ironische Äußerung, da ffhamburg192 (wenn ich den Namen interpretiere) vermutlich aus Hamburg-Altona kommt, oder zumindest warscheinlich Fan der FF Hamburg ist.

      Natürlich macht die FF Hamburg das, und sicher auch sehr gut!

      Soll also jede FF im Bereich Altona die das macht geschlossen werden??

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Iglheaz ()

    • jede FF die sich weigert sollte geschlossen werden.
      Und wer mit den eventuellen Eindrücken im Einsatzdienst nicht klarkommt muss sich eben eine andere Aufgabe suchen.

      Diese ganze "Diskussion" zeigt doch nur, wie erbärmlich es um die Professionalität im Löschwesen in Deutschland allgemein und in Bayern ganz besonders bestellt.

      Es sei den FFlern nicht zuzumuten bei lebensbedrohlichen Notfällen im eigenen Ort zu helfen, weil man die Leute ja kennen könnte? Zur Beerdigung gehen sie dann aber hin?
      Sorry, CPR erwarten wir von jedem Laien, aber die "professionellen" Brandschützer dieses Ortes sind damit emotional überfordert?

      Wir reden hier von vermutlich 2-3 Einsätzen im Jahr, wo die FF die ersten 5 Minuten überbrücken soll und vielleicht sogar mal ein Leben retten kann.
      Wer sich da hinter hanebüchenen Ausreden versteckt hat nichts in einem solchen Amt verloren. Aber wenn man sich die Webseite der betroffenen Wehr so anschaut sieht man ja, woher der Wind kommt. Wöchentliche Treffen im örtlichen Biergarten...

      Den einzigen Punkt, den ich sehe ist die vorher gelaufene Informationspolitik. Die FF sollte rechtzeitig informiert werden und Zeit haben, sich vorzubereiten (EH-Kurs, AED anschaffen?). Vielleicht besteht hier ein gravierendes Defizit, das dieses Verhalten erklärt?

      EDIT: was du mir sagen willst iglheaz erschließt sich mir nicht ganz?
    • ffhamburg192 schrieb:

      Wir reden hier von vermutlich 2-3 Einsätzen im Jahr, wo die FF die ersten 5 Minuten überbrücken soll und vielleicht sogar mal ein Leben retten kann.
      Was natürlich sonst bei einer FW nie passiert, dass die Leben retten.

      Ich kann die FFen schon verstehen. Für alles müssen die BOS zig Lehrgänge besuchen und man erwartet hohes Niveau und absolut professionelles Handeln und hier erwartet man von einem Moment auf den anderen, dass sie mit Laienwissen auf lebensentscheidende Situationen reagieren.
      In den meisten Fällen: FWler = Laie, genau wie der Angehörige, der Fußgänger oder der Polizist, der da als erster da ist. Zumindest bei Reas.
      Insofern kann man mit der selben emotionalen Überforderung rechnen, wie bei den anderen Laien auch.

      Im Übrigen darf ich darauf hinweisen, was im Artikel steht:

      Siegfried P. Rupprecht schrieb:

      „Viele Feuerwehrmitglieder haben im Hinblick auf die praktische Umsetzung Klärungs- und Informationsbedarf.“
      Damit wird die Abmeldung begründet. Und das ist berechtigt. Das wäre genauso, als würde man einen Hiorg-Anwärter als HvO auf die Menschheit loslassen ohne Backup.

      ffhamburg192 schrieb:

      Es sei den FFlern nicht zuzumuten bei lebensbedrohlichen Notfällen im eigenen Ort zu helfen, weil man die Leute ja kennen könnte?
      Wo liest du das in dem Artikel?
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    • ffhamburg192 schrieb:

      Aber wenn man sich die Webseite der betroffenen Wehr so anschaut sieht man ja, woher der Wind kommt. Wöchentliche Treffen im örtlichen Biergarten...
      Wenn man schon motzt, dann sollte man sich komplett informieren:
      feuerwehr-kutzenhausen.de/aktiver-dienst/uebungen-termine/

      Das sind die Termine der Wehr. Worüber du dich beschwerst, ist der Beitrag des Fördervereins zum Dorfalltag und der Gestaltung des Dorflebens.
      feuerwehr-kutzenhausen.de/verein/termine/
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    • ffhamburg192 schrieb:

      Und wer mit den eventuellen Eindrücken im Einsatzdienst nicht klarkommt muss sich eben eine andere Aufgabe suchen.
      Und gerade mit diesem Denken sollte aufgehört werden! Die Zeiten in denen die Feuerwehr bzw. allgemein die BOS nur aus den „harten“ Kerlen bestehen, die nach eigener Aussage mit allen Eindrücken klarkommen, sind vorbei. Ich wage mal zu behaupten, dass jeder schonmal eine Einsatzsituation erlebt hat, die ihn mehr belastet hat als andere. Aber das macht ihn nicht automatisch zu einem schlechten Retter oder ungeeignet für diese Aufgabe. Nicht umsonst haben in den letzten Jahren die Möglichkeiten der Inanspruchnahme psychosozialer Notfallversorgung sowohl für Betroffene als auch für Einsatzkräfte zugenommen. Jeder hat eine Situation, die ihn überfordern kann. Bei dem einen ist es vielleicht die fehlgeschlagene Reanimation, dann sollte ich mir das als Führungskraft allerdings auch merken und den Kameraden beim nächsten Einsatz vielleicht nicht wieder reanimieren lassen. Es gibt genügend andere Aufgaben, die dieser dann übernehmen kann, und wenn es nur das Einweisen von RTW und NEF ist.

      Auch der Berufsretter, der bereits 30 Jahre im Dienst ist und meint er hätte alles gesehen, kann unvermittelt mit dem Drücken bei einer Rea überfordert sein. Ist er deswegen ungeeignet und sollte sich nen anderen Job suchen? Ich denke nicht, es war eben nur in dieser einen Situation so.

      Und gerade in den heutigen Zeiten, in denen man dringend ehrenamtliches Personal sucht und braucht, stößt man vielen Interessenten mit diesem Denken, wenn es noch weit verbreitet ist, vor den Kopf und vergrault sie sich so.


      Edit: @F. Köhler es geht wohl um folgende Aussage, auf die ich mich auch bereits bezogen habe:


      Augsburger Allgemeine schrieb:

      Rupert Kugelbrey nennt die Gründe, warum sich der Gemeinderat gegen Reanimationseinsätze der Ortsfeuerwehren ausgesprochen hat: „Die möglichen weitreichenden persönlichen und psychischen Konsequenzen eines solchen Einsatzes in unmittelbarer Nachbarschaft sind offenkundig“, erklärt er.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leitstellenleiter ()

    • ffhamburg192 schrieb:

      Und wer mit den eventuellen Eindrücken im Einsatzdienst nicht klarkommt muss sich eben eine andere Aufgabe suchen.
      Ich persönlich finde deine Einstellung hier etwas übertrieben, wir haben alle mal angefangen und in der Regel werden neue bzw. jüngere Kollegen langsam an solche Einsätze herangeführt, zumindest habe ich das so kennengelernt, wenn dies nicht der Fall ist führt das schnell zu Irritationen und halt Übergeben an der Einsatzstelle oder Psychischen Problemen nach belastenden Einsätzen.

      ffhamburg192 schrieb:

      Aber wenn man sich die Webseite der betroffenen Wehr so anschaut sieht man ja, woher der Wind kommt. Wöchentliche Treffen im örtlichen Biergarten...
      Ich hab mir die Webseite jetzt nicht angeschaut, aber das gehört in Maßen halt mit zur Kameradschaftspflege (soll nicht heißen das ich übermäßigen Alkoholkonsum befürworte) und führt zur Teambildung.

      Und ja, es ist belastend wenn man die Leute kennt die man da gerade versucht zu retten.

      Außerdem wie vorhin bereits erwähnt sollte auch in einer FF eine regelmäßige Auffrischung der EH-Kenntnisse stattfinden und wenn es nur regelmäßig im Rahmen eines 2 stündigen Dienstabends ist. Damit kann man viele Unsicherheiten aus dem Weg räumen und die "Truppe" auf eventuell kommende Einsätze vorbereiten. Kaltes Wasser ist nie nett und führt schnell zu Überforderung und damit meist Interessenverlust a la "Kopf in den Sand stecken". Wenn dann noch zusätzliches Material wie AED, Absauge und Co angeschafft wird muss auch hierauf geschult werden um das Handling zu lernen. Was bringt die tollste Ausrüstung wenn keiner damit um kann?
      Diplomatie ist mein zweiter Vorname :) :P
    • Wird diese Diskussion nicht etwas überbewertet? Es geht ja (wenn ich das richtig interpretiere) nicht darum, den RD zu ersetzen, sondern einen möglichen Zeitvorteil zu nutzen, und die Tragehilfe ist dann auch schon da.
      Für mich stellt sich eigentlich nur die Frage, wie qualifiziert das dann sein dürfen können muss. Klar ist: Je höher die Anforderungen, desto größer der Material- und Schulungsaufwand.
      Ich kenne jedenfalls keinen Fall, wo eine dafür alarmierte Wehr (und das kommt hier schonmal vor) nicht ausgerückt wäre. Ein "Nö, sind wir nicht zuständig" wäre auch das letzte, was ein Dispo hier erwarten würde. Aber, das eben in TH, wo es halt auch kein geregeltes FR-System gibt bzw das eh alles auf kommunaler und zum Teil sogar privater Eigeninitiative beruht. Da gehen die Anforderungen auch nicht über eine "qualifizierte" Laienrea mit eintsprechender Manpower hinaus. Das ist jedoch meist schon deutlich mehr, als dort sonst passieren würde..
      Avatar: RK Arnstadt 14/82-1 (Blanko: Chr2)
      Leitstelle Ilmkreis/Thüringen ID 27662

      Nein, Thüringen ist kein Entwicklungsland! Als ob sich hier was entwickeln würde...
    • @Leitessen: Da aber rein zu interpretieren, dass man eine FW nicht alarmieren kann, weil sie die Leute kennt, halt ich für gewagt. Im weiteren Verlauf heißt es, dass sich unter anderem deshalb Klärungsbedarf ergibt und das ist nachvollziehbar.

      Vor dem von mir genannten Hintergrund der unzureichenden Vorbereitung auf solche Einsätze, kann ich die Sorge um die Belastung der Helfer bestehen.
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    • Ich sehe es zum Teil auch so, wie @ffhamburg192. Es gibt Situationen und Eindrücke, die einfach zur Tätigkeit in bestimmten Organisationen dazu gehören. Bei Feuerwehr, wie Rettungsdienst, gehört es dazu, dass man mal nen Toten oder Verletzten sehen kann. Dass sind Dinge, über die man sich im Vorfeld im Klaren sein muss, bzw. über die beim Eintritt aufgeklärt werden muss. Und wenn ich diese Situationen auf Dauer nicht ertrage, dann - sorry - MUSS man darüber nachdenken, ob man sich das richtige Hobby/den richtigen Job ausgesucht hat. Wenn man nach jedem Einsatz die PSU braucht (nicht ruft, sondern wirklich braucht), dann ist das echt nicht richtig. Deswegen ist man kein Weichei, aber halt ungeeignet für die gewählte Tätigkeit. Da hat die Führung zum Schutz des jeweiligen einzuschreiten.

      Und zur generellen Frage: es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn man einer ehrenamtlich organisierten Organisation immer mehr und mehr Aufgaben zuschiebt, weil dies die billigste Lösung ist. Da darf man sich nicht über Frust wundern.
      Eine Reanimation jedoch, wird von jedem Führerscheininhaber erwartet. Folglich kann man die auch von einem Feuerwehrmann erwarten. Und da muss es nix professionelles sein. Wofür Beatmungsbeutel, wozu AED, wenn doch feststeht, dass das Wichtigste die Organperfusion ist, welche durch reine HDM erreicht wird. Drücken wird ja wohl drin sein. Da sind Schulungs- und Materialaufwand auch eher gering. Da isses mit ner EH Auffrischung einmal im Halbjahr/Jahr eigentlich getan. Und wie heißt es so schön? Am meisten profitiert man selber, weil man vermutlich eher privat einen Kreislaufstillstand erleben wird.
      Und wer dennoch nicht mitmachen will: wo steht denn geschrieben, dass man als Freiwilliger jedes Mal den Melder hören muss?
    • Grundsätzlich finde ich das eine gute Idee.
      Aufgabe der Feuerwehr ist es (auch) Menschenleben zu retten. Warum also nicht auch bei einer Reanimation, wenn ein Zeitvorteil vorhanden ist?
      Zwei bis vier Leute reichen doch schon. Und die hat man in der Regel zügig zusammen (Ja, Ausnahmen gibt es immer!). Wartet man auf mehr, ist der Zeitvorteil dahin und die Mannschaft kann im Stall bleiben.
      Man kann für sowas durchaus eine gesonderte Alarmschleife hinterlegen (lassen). So kann man differenzierter alarmieren.
      Dafür sollte man im Vorfeld allerdings abklären, wer sich aus der Mannschaft für solche Einsätze bereit erklärt / eignet.
      Diese Leute müssen dann gezielt geschult und auf diese Einsätze vorbereitet werden. Das muss auch im Vorfeld geschehen, bevor überhaupt die erste Alarmierung zu diesem Stichwort erfolgt!

      Und um was geht es eigentlich, wenn man jetzt mal etwas in den Einsatz einsteigt?
      Genau, es geht um die Überbrückung bis zum Eintreffen des RD.
      Das sind i.d.R. wenige Minuten, welche aber über Leben und Tod entscheiden.
      Dafür benötigt es nicht zwingend eine wahnsinns Materialausstattung. Hier geht es um "Minimize No-Flow-Time", sprich Drücken Drücken Drücken!
      Ein AED sollte hierbei aber dann doch zur Mindestausstattung gehören.

      Gruß,

      SHudson
      Hab ich dir ein J geschickt, dass du einfach dazwischen quatschst? :D

      Hier Leitstelle Oberberg, kommen!
      Forum-Thread ILS Oberberg
      Wiki-Eintrag ILS Oberberg
    • Die Erste Hilfe Ausbildung beschränkt sich bei der Feuerwehr nicht nur auf die Inhaber von Führerscheinen, sondern wird auch von jedem Mitglied das einen Grundausbildungslehrgang bzw. eine Truppmannausbildung (I & II) absolviert hat, erwartet. Auch wird in einigen Bundesländern erwartet, dass die Erste Hilfe Ausbildung gemäß FwDV 2 ausführlicher durchgeführt wird als diese mit den 9 UE dem normalen Bürger gelehrt wird. So verlangen einige, wie Niedersachsen beispielsweise, weiterhin im Rahmen der Truppmannausbildung 16 UE Erste Hilfe, die zu je 9 UE EH-Ausbildung im Teil I und 9 UE EH-Fortbildung in Teil II aufgeteilt werden (Quelle: RdErl. d. MI v. 02.03.2015 – 36-13221/2.1 - VORIS 21090). Einige Feuerwehrunfallkassen, hier die FuK Nord (für mehrere Bundesländer zuständig), sagen zusätzlich, dass an einen Feuermann (SB) höhere Anforderungen an die Ersten Hilfe Kenntnisse gestellt werden wie an den Normalbürger.

      Zitat: "2015 wurde die Erste-Hilfe-Aus- und Fortbildung für betriebliche Ersthelfer neu strukturiert. Dabei wurde der Zeitaufwand für die Grundausbildung von 16 Unterrichtseinheiten (UE) auf 9 UE reduziert. [...] Abweichend von den Richtlinien der Unfallversicherungsträger, bei denen die Lehrgänge auf 9 UE reduziert wurden, gibt es in der Erste-Hilfe-Ausbildung für die Freiwilligen Feuerwehren einige grundlegende Unterschiede. Die Erste-Hilfe-Ausbildung erfolgt hier für alle Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren nach Feuerwehr-Dienstvorschrift 2, welche 16 Unterrichtseinheiten (UE) (Lehrgang: Truppmann Teil 1 / Grundausbildungslehrgang) bzw. 4 UE (Lehrgang: Truppmann Teil 2) beinhaltet. Eine Reduzierung des Stundenumfangs der Erste-Hilfe-Ausbildung bei den Feuerwehren ist seitens der Länder Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen nicht vorgesehen, da bei Feuerwehreinsätzen von höheren Aufgabenstellungen und Anforderungen an die Einsatzkräfte als bei betrieblichen Ersthelfern ausgegangen werden muss. Speziell an die Ortsfeuerwehren, bei denen es möglich ist, dass die Einsatzkräfte zeitlich vor den regulären Rettungsdiensten am Einsatzort eintreffen, werden hier besondere Anforderungen gestellt." Quelle: FuK Nord


      Meine persönliche Meinung ist, dass die oben genannten Punkte durchaus zutreffend sind. Von einem freiwilligen Feuerwehr erwarte ich etwas mehr wie von einem reinen Laien. Feuerwehrangehörige, auch die der freiwilligen Feuerwehr, müssen damit rechnen, dass diese auch einsatzbedingt in der Pflicht sein können, erste medizinische Maßnahmen an einem Einsatzort ergreifen zu müssen (und ich sage gezielt müssen, nicht können). Das wird gemäß der Ausbildung von Feuerwehrmännern (SB) erwartet. Interessant wäre hier auch noch, ob gemäß der Ausbildungsinhalte und der Zugehörigigkeit zu einer Gefahrenabwehrbehörde (auch der freiwillige Feuerwehrmann muss sich darüber bewusst sein, dass er bei einer Behörde tätig ist) nicht auch eine Garantenpflicht zum tragen kommt. Nicht auf dem Niveau eines Notfallsanitäters oder Notarztes, aber zu mindestens auf dem Niveau seines Ausbildungsstandes. Auch hat der Gesetzgeber / Normausschuss einige Fahrzeugtypen gezielt mit medizinischer Ausrüstung ausgestattet, so dass auf einem LF-16TS ein Beatmungsbeutel, Absaugpumpe, usw., im Sanitätskasten zu finden waren.


      Also ja! Ich denke, dass die Feuerwehr an First Responder Einsätzen teilnehmen sollte (muss).


      Auf einem anderen Blatt steht natürlich die Einsatzbelastung der Wehren. Was auf dem Dorfe vielleicht noch vertretbar ist, kann Stütz- und Schwerpunktfeuerwehren an ihre Belastungsgrenzen bringen. Generell sollte man überlegen, ob die Einführung von hauptamtlichen Wachbereitschaften, wie im Vergleich zu NRW, auch bei mittleren und kleineren Städten nicht sinnvoll wären? Ich kenne auch einige dieser größeren Ortsfeuerwehren, die Einsatzzahlen jenseits der 300 Einsätze im Jahr haben. Dieses könnte eine Entlastung bringen. First Responder Einsätze machen in der Regel auch mehr auf dem Dorfe Sinn, da dort erfahrungsgemäß die Anfahrtzeiten des Rettungsdienstes am größten sind. Erfahrungsgemäß sollten sich die Einsätze im Rahmen halten, wenn grundsätzlich nur zu kritischen Einsätzen alarmiert wird. Stütz- und Schwerpunktfeuerwehren wird dieses also gar nicht so sehr treffen, da dort ohnehin auch die Rettungswachen eines Rettungswacheneinsatzbereiches angesiedelt sind. Es werden die Dörfer sein, die am längsten auf das Eintreffen der RTW warten müssen.


      Ein weiterer positiver Nebeneffekt wäre, dass man sich ganz nebenbei auch schlagkräfte ManV-Einheiten dadurch schafft, die Einsatzerfahrung haben werden. Wahrscheinlich sogar mehr wie die (rein ehrenamtlichen) Helfer von KatS-Einheiten der HiOrg. Man stelle sich vor: 2 bis 4 FR-Einheiten pro Gemeide/Stadt. Alle mit einem MTW ausgestattet, alle mit je einem AED, O2, Beatmungsbeutel, primären (einfachen) Immobilisationssystemen und Verbandstoffen, mit jeweils 2 bis 4 Mann besetzt. Zack - und schon habe ich innerhalb kürzester Zeit eine kleine schlagkräftige ManV-Einheit an der Einsatzstelle, die Erstversorgung machen kann und / oder leicht verletzte Personen versorgen kann.