Sind Feuerwehren für Reanimationen zuständig?

    • Interessant.
      Allenvoran die Aktiven kleiner Wehren, die nicht über Rettungsschere und Spreizer verfügen und daher auch keine Erfahrung mit der Bergung von Unfallopfern haben.
      Aha. Und was machen die als Ersteintreffende bei schwerem VKU? Straße sperren und auf Verstärkung warten? Ich weiß nicht, ob das ein Grund ist zur FW zu gehen und die Freizeit für Ausbildung etc. zu opfern. Ich weiß auch nicht, woher die Meinung "FW ist zum Löschen da und fertig" heute noch kommt. Früher hatten die wirklich nur Brechstangen, aber die wurden doch ohne Zögern genutzt? Und wenn der Nachbar aus den Latschen gekippt ist, hat man doch auch geholfen? Diese "geht mich nix an"-Mentalität kam irgendwie später erst dazu wenn ich mich recht entsinne..
      Avatar: RK Arnstadt 14/82-1 (Blanko: Chr2)
      Leitstelle Ilmkreis/Thüringen ID 27662

      Nein, Thüringen ist kein Entwicklungsland! Als ob sich hier was entwickeln würde...
    • Härtlein sagt, im vergangenen Jahr sei er selbst zu einem solchen Einsatz gerufen worden und habe einen Nachbarn wiederbeleben müssen. „Das war nicht ohne“, sagt Härtlein, sei eine ganz andere Hausnummer als das Löschen eines Brandes.
      Das stimmt. Ich frage mich nur, was für eine Hausnummer es ist, das Haus des Nachbarn zu löschen und den dann noch mit nem Rauchgasintox (oder schlimmeren) da raus zu holen. Ich denke immer noch, dass das zu den "Gefahren" des Hobbys FFW gehört, dass man eben dort eingesetzt wird, wo man wohnt und man folglich ne hohe Wahrscheinlichkeit hat, auch mal auf nen Bekannten als Opfer zu treffen.


      Kaniewski spricht von „reinen Rettungsdiensten“ für die der Staat, aber nicht die Gemeinde zuständig seien. Dementsprechend werden solche Einsätze auch nicht vergütet. Verlangen die Arbeitgeber der Feuerwehrleute also eine Entschädigung für den Ausfall ihres Mitarbeiters, bleibt die Gemeinde auf den Kosten sitzen.
      DAAA, haben wir nämlich das eigentliche Problem.

      Aber nicht nur wegen der Kosten sei er gegen den Einsatz der Feuerwehrleute.
      Nein, nein...

      Sondern auch weil mit den zusätzlichen Aufgaben die Attraktivität der Feuerwehr sinke.
      Hmm. Also, ich kenne Dorfwehren, die im Jahr 2016 einmal, 2017 gar nicht ausgerückt sind. Das liegt evtl. daran, dass da einfach nix los ist, weil es ein abgelegenes Dorf mit nur ein paar hundert Einwohnern ist. Und gerade dort gibt es Probleme mit dem Nachwuchs, weil dort eben nix los ist. Die würden feiern, wenn sie mal raus dürften und dann noch mit Blaulicht. Und gerade diese Wehren sind es ja nun, die wegen ihrer Abgelegenheit hauptsächlich betroffen wären.

      Retten, löschen, bergen*, schützen**. Cooles Motto.

      *) wenns sein muss
      **) häh?
    • Auch wenn man mit der Bewertung der im Artikel zitierten Aussagen immer etwas vorsichtig sein sollte (bei Stiller Post ändert sich der Inhalt ja meist auch), ist es schon erschreckend, wenn ein KBR quasi die Erste Hilfe infrage stellt. Würde er bei Eigenfeststellung (man sitzt zusammen und plötzlich...) auch auf die Handlungsverantwortung des RD verweisen und nur widerwillig drücken/abbinden? Und der Herr BM scheint der Ansicht, Menschen in Not jeglicher Art zu helfen, macht das Ehrenamt uninteressant - traurig, wenn Kameraden das tatsächlich so empfänden. Dass eine Gemeinde aus Kostengründen Reas ablehnt, aber nicht zuordenbare Ölspuren beseitigen lässt, erzeugt ein wirklich tolles Bild nach außen.

      Entweder man will ehrenamtlich helfen oder nicht. Wer manche Szenarien nicht zu verkraften glaubt, hält sich vielleicht lieber von diesen Einsatzstellen fern. Nur frage ich mich, warum man dann bei der FF ist. Was gibt es Sinnvolleres, als Leben zu retten? Und das kann bei jedem Alarm nötig sein, ohne dass es aus der Meldung so klar hervorgeht.

      Ich wüsste in beiden LST-Bereichen gern mal, wie die betroffenen Kameraden darüber denken bzw. wie groß der Anteil der Ablehner ist. Für "ein- bis zweimal im Jahr" werden sich doch fast überall einige Wohlgesinnte finden.
    • coswiger schrieb:

      Wer manche Szenarien nicht zu verkraften glaubt, hält sich vielleicht lieber von diesen Einsatzstellen fern.
      Mit einer solchen Aussage wäre ich aber auch vorsichtig. Nur weil jemandem ein Einsatz zu schaffen macht (und einen solchen Einsatz gibt es sicher für jeden von uns), heißt das noch lange nicht, dass er sich von Einsatzstellen fern halten soll.
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    • Und was ist daran falsch, wenn ein psychisch weniger stabiler oder in einer persönlichen Beziehung zum Patienten stehender Kamerad nicht unbedingt auf das Stichwort "Rea" reagieren sollte? Ist doch kein Zeichen von Schwäche etc. Ich stelle schließlich nicht die grundsätzliche Einsatzfähigkeit infrage.
    • Falsch ist daran sicher nichts. Ich will damit nur sagen, dass man in der Regel nicht im Vorraus weiß, was einen belastet.

      Und als Mitglied einer BOS kannst du bei jedem Einsatz(-stichwort) auf einen Bekannten in einer kritischen oder tödlichen Situation treffen, vor allem im EA.
      Also was ist besser? Zur Rea zu fahren, wo man weiß, was einen erwartet und den Namen u.U. vorher sieht, aber weiß, man kann helfen und alles geben.
      Oder zum H3 zu fahren um dann völlig unbedarft in eine Situation zu kommen und an ein Auto zu laufen, dessen (tote) Insassen man kennt und man kann nichts mehr tun.

      Also: Wer glaubt, seine Leute vor einer Rea schützen zu müssen, aber sie zu Verkehrsunfällen oder Bränden mit Person in Gefahr schickt, der hat m.E. irgendetwas nicht verstanden.
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    • Ich bin auch der Meinung, dass eine Abwägungshaltung eher hinderlich ist. Aber am Ende muss das jeder Freiwillige für sich entscheiden (weshalb diese Pauschalablehnung von oben nicht förderlich ist). Deshalb wäre die Meinung der Aktiven wesentlich interessanter als die der Führung.
    • coswiger schrieb:

      Ich wüsste in beiden LST-Bereichen gern mal, wie die betroffenen Kameraden darüber denken bzw. wie groß der Anteil der Ablehner ist. Für "ein- bis zweimal im Jahr" werden sich doch fast überall einige Wohlgesinnte finden.
      Ich weiß, dass sich das eigentlich auf die Feuerwehr-Aktiven bezieht, wie das ganze von den Mitarbeitern der ILS Augsburg gesehen wird, in deren Zuständigkeitsgebiet die Marktgemeinde Gessertshausen ja einen ähnlichen Standpunkt vertritt, kann ich dir sagen.

      Denn in aller erster Linie sind die da oben einfach nur verunsichert. Einerseits drohen da die Bürgermeister und höheren Verantwortlichen der Feuerwehren mit Konsequenzen, falls die eigene Wehr zur Rettungsdienstunterstützung alarmiert wird, auf der anderen Seite sieht der Disponent allerdings die Anzeige für unterlassene Hilfeleistung, sollte er nicht alle ihm verfügbaren Kräfte nutzen.

      Mehrere Mitarbeiter der ILS haben sich außerdem dafür entschieden, besagte Feuerwehr trotzdem zu benannten Einsätzen zu alarmieren solange sie keine widersprüchliche Dienstanweisung auferlegt bekommen. Begründung hierfür ist wäre dann das therapiefreie Intervall. Wenn der ÖRD zwölf Minuten zum Eintreffen braucht und da läuft keine Laienrea vor Ort, dann kann (böse gesagt) der RD auch gleich wieder fahren. Wenn nun aber sechs Minuten nach Notaufannahme eine Wehr da ist, dann sieht das mit dem positiven Outcome doch schon mal besser aus. Abgesehen davon, dass mehrere Mitarbeiter auch moralische Bedenken geäußert haben, eine Wehr nicht zu alarmieren, weil "diese das nicht wollen".
    • Na ja, um des lieben Frieden willens könnte man ja versuchen, die FF-Alarmierungen zur Reanimation auf die Fälle zu beschränken, in denen eine Telefon-Rea nicht möglich ist.

      Andererseits, steht im Artikel, es wäre eine "freiwillige Leistung" der Feuerwehr, es wird sogar gesagt, sie kann auf solche Alarmierungen reagieren, oder eben nicht. Warum man dann so ein großes Ding draus macht und gar nicht erst alarmiert werden *will*, erschließt sich mir nicht. Fürchten wir uns vor einem schlechten Gewissen? Hat man das nur, wenn man auf eine Alarmierung nicht reagiert, oder vielleicht doch auch dann, wenn man im Nachgang erfährt, dass Tante Hilde gestern erfolglos reanimiert wurde und man vielleicht hätte helfen können, aber weil man damals so einen Punk gemacht hat, hat mnan gar nicht erst bescheid bekommen?

      Ich würde auch weiterhin ganz klar sagen: Alarmieren. Entweder kommt dann wer, oder eben nicht. Freiwillige Feuerwehr ist, wie der Name schon sagt, freiwillig. Auch wenn der ein oder andere Fürst sich gerne hinstellt und postuliert: "Freiwillig sind nur Eintritt und Austritt, alles dazwischen ist Pflicht!"

      Zum Thema, wer das Ganze bezahlen soll: Wer bezahlt die Ölspur mit unbekanntem Verursacher, wer zahlt die Türöffnung (am besten noch bei Menschen, die nicht krank dahinter liegen, sondern nur einkaufen sind), die Tragehilfe für den RD (mit oder ohne Drehleiter)? Riiichtig: Der Steuerzahler. Der sein Geld für so viel Schwachsinn verpulvert sieht. Kommt es da wirklich auf ein bis zwei Einsätze von maximal einer Stunde (mit Anfahrt, Abfahrt, Nachbesprechung) an? Ich denke nicht.
    • TheOssi schrieb:

      Na ja, um des lieben Frieden willens könnte man ja versuchen, die FF-Alarmierungen zur Reanimation auf die Fälle zu beschränken, in denen eine Telefon-Rea nicht möglich ist.
      Wobei man gerade hier, ich habe dieses in einem Betrag vor einigen Wochen schon geschrieben, die „Ablösung“ des Laienhelfers von Vorteil ist. Den Laienhelfer 10-15 Minuten durchdrücken zu lassen führt auch nicht wirklich zum Erfolg (Erschöpfung). Die Vorteile hatte ich ja beschrieben.
    • TheOssi schrieb:

      Andererseits, steht im Artikel, es wäre eine "freiwillige Leistung" der Feuerwehr, es wird sogar gesagt, sie kann auf solche Alarmierungen reagieren, oder eben nicht.
      Was ich aber auch mehr als fragwürdig finde. Ich selber bin in Hamburg in der FF. Wann ich das letzte Mal Feuer gesehen habe? kA ist schon ziemlich lange her. Der größte Anteil ist tatsächlich Essen auf Herd oder BMA. Sollte ich jetzt anfangen nicht unter Feu2 auszurücken? Weil alles Andere ist ja nix? Wenn der DME oder woanders der Dorfwecker geht, dann eilt man zum Gerätehaus und fährt los.
      Außerdem wird von der FF bei der Rea in den ersten Jahren ja garnicht viel erwartet. Drücken vllt noch pusten. Wenn sich das System etabliert, wird auch der eigene Anspruch steigen.
      Und dieses "es könnte ja ein Bekannter sein", also ich fände es belastender meinen Nachbarn als Brikett aus seiner Wohnung zu holen, als ihn bei z.n. HI zu reanimieren.
    • RFSW schrieb:

      Wobei man gerade hier, ich habe dieses in einem Betrag vor einigen Wochen schon geschrieben, die „Ablösung“ des Laienhelfers von Vorteil ist. Den Laienhelfer 10-15 Minuten durchdrücken zu lassen führt auch nicht wirklich zum Erfolg (Erschöpfung). Die Vorteile hatte ich ja beschrieben.
      Übrigens auch ais RD- bzw. HvO-Sicht eine gute Entlastung. In München wird ja bei jeder Rea grundsätzlich ein HLF geschickt. Auch, wenn der zuständige HvO dazukommt. Das ist schon angenehm, wenn man sechs zusätzliche Paar Hände zum Drücken hat. Und nebenbei auch super als Tragehilfe, wenn es eng ist. Das hab ich echt zu schätzen gelernt.

      Übrigens fahren da auch die FF'en, wenn sie angemeldet sind, für solche Einsätze raus bzw. an.
    • Lumidor schrieb:

      Sollte ich jetzt anfangen nicht unter Feu2 auszurücken? Weil alles Andere ist ja nix?
      Ist es böse wenn ich sage, dass es FFWs gibt, bei denen für ne Ölspur erst nach der dritten Alarmierung (dann Zug- und nicht mehr Gruppenalarm) überhaupt die Fensterplätze besetzt sind?
      Ich sage nicht, dass das so sein *soll*, aber wenn das Gesetz einem explizit ne Wahlmöglichkeit lässt (und so habe ich den Artikel verstanden), dann sollte man sich bei Bedarf auf diese berufen, statt den Disponenten anzukacken.
    • TheOssi schrieb:

      Ich sage nicht, dass das so sein *soll*, aber wenn das Gesetz einem explizit ne Wahlmöglichkeit lässt (und so habe ich den Artikel verstanden), dann sollte man sich bei Bedarf auf diese berufen, statt den Disponenten anzukacken.
      Die gibt es hier wie gesagt laut StMI explizit. Nur da spielen halt einige Disponenten nicht mit.


      TheOssi schrieb:

      Ist es böse wenn ich sage, dass es FFWs gibt, bei denen für ne Ölspur erst nach der dritten Alarmierung (dann Zug- und nicht mehr Gruppenalarm) überhaupt die Fensterplätze besetzt sind?
      Dies lässt sich darüber lösen, indem man grundsätzlich keine Durchsagen macht außer "Alarm für FF XY".
    • Manu Schwarzenberger schrieb:

      Dies lässt sich darüber lösen, indem man grundsätzlich keine Durchsagen macht außer "Alarm für FF XY".
      Textmelder, sprich DME. Das hatte man versucht damit zu lösen, dass nur noch die RIC-Bezeichnung zu lesen war. Hatte zur Folge, dass bei "Einsatzalarm Technische Hilfe Klein" halt auch keiner mehr kam. Und dahinter können sich auch VUs (ohne Klemmer) und P Tür/Aufzug verbergen. War blöd.